USA: Erstes CGRP Medikament gegen Migräne zugelassen

Interessant für alle, die sich mit Migräne herumplagen müssen – vor allem diejenigen mit chronischen und schweren Verlaufsformen sollen laut Pressberichten hiervon profitieren: Seit dem 17.5.2018 ist das erste CGRP Medikament * Erenumab / Aimovig in den USA für die vorbeugende Migränebehandlung bei Erwachsenen zugelassen worden.

Offenbar ist das Medikament, das mittels Injector einmal im Monat vom Patienten selbst injiziert werden kann, auch bei Basilarismigräne einsetzbar – zumindest werden in der amerikanischen Fachinformation und in der Patienteninformation keine Kontraindikationen diesbezüglich genannt**.

Das wäre ja mal was …

Euphorie?

Für jeden Tag und jede Stunde ohne Migräne bin ich dankbar.  Der Wirkmechanismus und die Substanz Erenumab an sich erscheint mir auch geradezu sympathisch im Vergleich zu beispielsweise Gabapentin oder Topiramat.

Trotzdem hält sich meine Euphorie bisher noch in Grenzen, denn bei den Studien im Vorfeld der Zulassung zeigten sich im Mittel nur 1-2,5 weniger Migränetage pro Monat im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Patienten***.

Das wäre bei einer Durchschnittsfrequenz von über 10 Migränetagen im Monat (bei chronischer Migräne keine Seltenheit) immer noch kein besonders durchschlagender Erfolg, finde ich …  Da muss wohl jeder selbst entscheiden, ob er es mal probieren will, wenn das Medikament bei uns in Deutschland zugelassen wird. Wichtig dafür:

Die Nebenwirkungen

Bei den Studien mit dem CGRP Medikament wird über sehr wenig Nebenwirkungen berichtet. Am häufigsten sind offenbar

  • Schmerzen an der Injektionsstelle  (mimimi … gibt ja wohl Schlimmeres),
  • Infektionen der oberen Atemwege (is‘ auch nich‘ schön)
  • und Übelkeit (grade die soll doch auch weg! mäh! …).

Man wird abwarten müssen, was kommt, wenn das Medikament „in die Fläche“ geht.

Meistens werden ja in Studien die Patienten gut „ausgesiebt“, damit man am Ende bessere bzw. vergleichbarere Ergebnisse hat. Das hat leider den Nachteil, dass man Patienten mit verschiedenen Koerkrankungen in den Studien vorher selten bis nie gesehen hat. D.h. niemand kann bei der Zulassung sagen, ob z.B. Patienten mit Autismus, Fibromyalgie, CFS, Multipler Sklerose usw. nicht doch erhebliche Nebenwirkungen an anderer Stelle im Körper haben – vor allem bei der Langzeitanwendung. Das sieht man erst, wenn sehr viele verschiedene Patienten mit ihren individuellen biologischen Voraussetzungen ein Medikament eingenommen haben.

chronische Migräne und Aura

Ein weitere Frage, die sich auftut: Hat das CGRP Medikament auch eine positive Wirkung auf die bei chronischer Migräne häufig vergesellschafteten, bei vielen Betroffenen nahezug täglich vorhandenen Spannungs- und anderen Kopfschmerzarten?

Dazu konnte ich noch nichts belastbares herausfinden, außer vereinzelten anonymen Forenbeiträgen von Studienteilnehmern, die offenbar unter Erenumab auf allen Ebenen Erleichterung empfanden.

Auch, ob die Wirkung sich nur auf die Kopfschmerzen oder auch auf die Aura (oder beides) bezieht, wäre interessant (in Bezug auf die Basilarisaura sogar entscheidend) für mich. Getestet wurde das Medikament offenbar an Patienten mit und ohne Aura***. Wie es im Speziellen bei Basilarismigräne aussieht, darüber ist nichts zu finden (meine Prognose, die auch in einschlägigen Foren geteilt wird: Das wird wahrscheinlich auch nichts werden, wie immer :-/ …)

Unter’m Strich braucht es also erstmal wieder massenhaft Versuchskaninchen. 😉

Die Medien und gute Ratschläge

Wäre nur schön, wenn es in den Medien jetzt nicht gleich wieder heißt: „Gegen Migräne gibt’s doch jetzt was ganz Tolles. Das musst Du nur nehmen, dann bist Du geheilt“. Und daraus folgt für das soziale, medizinische und politische Umfeld: „Wenn Du das nicht wenigstens probiert hast, bist Du nicht gewillt, Deine Krankheit loszuwerden“.

Ja, ja …

Kassenzulassung

Ebenfalls gespannt bin ich, ob das Medikament nach der grundsätzlichen Zulassung in Deutschland direkt auch kassenfinanziert zu haben ist. Ansonsten hieße es ja, dass die Privatpatienten erst mal die „Drecksarbeit“ machen können und Versuchskaninchen für uns „Kassler“ spielen müssten … Das ist allerdings mal ein Gedanke, der zumindest schmunzeln lässt … (sorry liebe „Privatler“ nehmt’s nicht persönlich, mal ist man eben der Hund und mal der Baum 😉 ).

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass das viel Anklang in den zahlungskräftigen und somit lobbymäßig gut vertretenen Reihen unseres Landes finden wird. 😉

Wir sehen: Was zu diesem Thema noch alles zu hören/ sehen / lesen sein wird, bleibt spannend … 🙂


Einen aktuellen Beitrag hierzu hat auch Violetta in ihrem Blog „Das Migräneprojekt“ verfasst, den ich hier gerne teile:

Erstes CGRP Medikament in den USA zugelassen


*CGRP = Calcitonin Gene-Related Peptide: Ein Neuropeptid, das im peripheren Nervensystem und Zentralnervensystem gebildet wird und stark gefäßerweiternd wirkt. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne.

**englischsprachige Produktinfos des Herstellers (Amgen Inc./Novartis) zum neuen CGRP Medikament:

„Fachinfo“: https://pi.amgen.com/~/media/amgen/repositorysites/pi-amgen-com/aimovig/aimovig_pi_hcp_english.ashx

„Pateinteninfo“: https://pi.amgen.com/~/media/amgen/repositorysites/pi-amgen-com/aimovig/aimovig_ppi_pt_english.ashx

***Quelle: http://www.schmerzklinik.de/aktuelles

Grafik: pixabay/TheDigitalArtist

Migräne-Forschung: Arschkarte für Nordlichter

Na, toll. Dass ich eindeutig zu den Nordmenschen gehöre, zeigt nicht nur mein Äußeres, sondern auch ein Blick in die Ahnentafel.

Ich komm‘ schon immer viel besser auf Kälte klar als auf Sonne und Hitze. 

Dass das nicht nur Vorteile hat, sondern offenbar auch meine genetische Prädisposition für die Migräne begünstigt haben könnte, ist dann doch ein überraschendes Ergebnis neuerer Migräne-Forschung:

„Einen Grund dafür fanden Forscher jetzt in Gestalt einer Variante des Gens TRPM8: Sie hilft offenbar den Menschen des Nordens besser mit kalter Witterung umzugehen, erhöht aber gleichzeitig das Migränerisiko.“

Quelle: Spektrum.de

Das lese ich grade in der Online-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft.

Das ist für viele von Euch bestimmt genau so interessant wie für mich, also gibt‘s hier den ganzen Artikel: 

https://www.spektrum.de/news/der-preis-fuer-unsere-kaeltetoleranz/1563004

078 // Instagram-Challenge „Fibro-Awareness“

Vom 1. bis 12. Mai gibt es wieder eine tolle Challenge auf Instagram! Initiatorin ist die weltbeste FibroFee. Heute, an Tag 4 der Challenge, geht es um das Thema „Wie fühlt sich Fibro für mich an …“ – angekündigt war es mit „FibroFeeling“.

Da ich momentan mit Fieber und Halsschmerzen noch weniger schlafe als sonst, hatte ich diese Nacht um 3 Uhr so eine Art „Audio-Vision“ … 😉

Jetzt ist der Ohrwurm da 😀  [Bitte die Melodie von „Bacardi Feeling/Summer Dreaming“ ins Gedächtnis rufen und los … :]

Rabe

077 // Ärzteblog auf doccheck: Von Raben und anderen Tieren

Es ist mal wieder so weit: Ein Artikel, in dem sich „Lieschen Müller“, in ihrem Ärzteblog auf doccheck über Patienten-Kategorien auslässt, hat es geschafft, meine noch immer anhaltende Schreibblockade kurzfristig zu durchbrechen.

Zitat:

„Kategorie 1: Der Rabe
Der unglückliche Rabe mit dem gebrochenen Flügel. Die Kranken, die krank sein wollen. Stichwort „chronischer Schmerzpatient“. Nimmst du ihnen die Krankheit, ist nichts mehr von ihnen übrig.“
Quelle: http://news.doccheck.com/de/blog/post/8821-ein-chamaeleon-das-krank-sein-wollte

Es folgen noch Strauß, Löwe, Biene und Chamäleon …

Natürlich weiß ich, dass ein Ärzteblog auf doccheck besonders für Ärzte und medizinisches Fachpersonal gedacht ist und der Artikel lustig sein soll. Ist er aber nur bedingt. Dennoch (oder grade deshalb) wollte ich etwas Unlustiges als direkten Kommentar dazu schreiben. Hab‘ ich auch – allein die Begrenzung auf lächerliche 1000 Zeichen 😉 hat verhindert, dass ich das Folgende direkt darunter setze (stattdessen gibt es als Kommentar nur eine verstümmelte Kurzversion meiner Gedanken (*s.u.)).

Deshalb hole ich das hier nach und verkünde:

Chronische Schmerzen sind ein komplexes Geschehen, dem man mit Schubladendenken nicht beikommen kann. Auch nicht, wenn Sie lustige Tiere vorne auf die Laden kleben!

Ich bitte alle Ärzte, die hier mitlesen, GERADE bei chronischen Schmerzen NICHT standardmäßig die Rabenschublade aufzumachen, und Sprüche wie „die wollen ihre Schmerzen garnicht loswerden“ zu klopfen, sondern sich bewusst zu machen, dass es vielschichtige Gründe für chronische Schmerzen gibt (sogar physische, die Sie nur noch nicht erkannt haben) und dass so manches, von Ihnen als Rabentier oder Chamäleon „erkanntes“ Patiententierchen (nicht alle) in Wirklichkeit jeden Tag mehr Löwe ist, als Sie es sich vorstellen können – gerade bei denen die schweigen! Bedenken Sie bitte auch: Viele chronische Schmerzpatienten sind sogar aufgrund ihrer allzu löwenhaften Attitüde über Jahre und Jahrzehnte hin erst zum chronischen Schmerzpatienten geworden. Für diese Exemplare ist nichts schlimmer, als auf Einstellungen wie diese hier zu treffen.

Es sind Aussagen wie diese, die es so vielen chronischen Schmerzpatienten noch schwerer machen als es so schon ist mit unsichtbaren Krankheiten. Wegen solcher Erlebnisse, rennen die Menschen dann massenhaft zu jeder Art von Quacksalbern und selbsternannten Krankheits-Checkern, weil sie dort vielfach zumindest eins vorfinden: Wertschätzung und Respekt.

Damit meine Kritik noch ein wenig konstruktiver wird:

Wenn ich als Orthopäde und Unfallchirurg mit einem so komplexen Krankheitsbild wie chronischen Schmerzen, bei dem nicht selten schwere Traumatisierungen u.ä. im Schlepptau sind, überfordert bin, sage ich dem Patienten,

  1. dass ich seine Beschwerden ernst nehme, (!!!)
  2. dass ich als Orthopäde/Chirurg da momentan nichts findem kann (was gut ist),
  3. dass man weiterforschen muss, um den Schmerzen auf den Grund zu gehen,
  4. dass ich einen fachlich kompetenten Kollegen oder eine gute Schmerzklinik kenne, zu dem/der ich überweisen kann.

… und zwar alles OHNE (auch unbewusste) Vorverurteilungen.

Übrigens:

Selbstverständlich werden von fachlich und menschlich versierten Kollegen mit dem Patienten auch dessen individuelle, krankheitserhaltenden Faktoren besprochen. Auf eine wertschätzende und respektvolle Art. Das müssen Sie als Orthopäde nicht tun, wenn Sie nicht grade ein Naturtalent mit besonderem psychologischen Geschick sind (wovon ich nach dem o.g. Artikel nicht ausgehen kann).

Auch an alle Ärzte, die sich hier mitamüsieren: Bitte, bitte, bitte reflektieren Sie.

Über Ihren Beruf, über Ihre Einstellung, über Ihr Menschenbild und darüber, wie Sie selbst von anderen gesehen und behandelt werden möchten, wenn Sie in einer Notlage um Hilfe bitten.

Ein ganz einfacher Satz, den sich jeder (nicht nur) Arzt merken sollte: „Empathie schadet nie!“

Bleiben Sie gesund!

 

* Hier die Kurzversion, die ich als Kommentar unter den Artikel gesetzt hatte:

Der Artikel soll lustig sein, ist er aber nicht. Chronische Schmerzen sind ein komplexes Geschehen, dem man mit Schubladendenken nicht beikommt. Auch nicht, wenn lustige Tiere auf den Laden kleben! Ich bitte alle Ärzte, GERADE bei chronischen Schmerzen NICHT standardmäßig die Rabenschublade aufzumachen. Es gibt vielschichtige Gründe für chronische Schmerzen (sogar physische, die Sie nur noch nicht erkannt haben). So manches, von Ihnen als Rabe oder Chamäleon „erkanntes“ Patiententierchen ist jeden Tag mehr Löwe, als Sie es sich vorstellen können – gerade die Schweigenden! Nicht selten sind schwere psychische Traumatisierungen u.ä. im Schlepptau. An alle Ärzte, die sich hier amüsieren: Bitte, bitte, bitte reflektieren Sie darüber, wie Sie selbst von anderen gesehen und behandelt werden möchten, wenn Sie um Hilfe bitten. Danach lacht es sich über Randgruppenwitze auch viel entspannter, weil zu irgendeiner gehört garantiert jeder … auch Sie 😉


Kleines Beispiel noch für die andere Perspektive, falls sich doch mal ein Mediziner hierher verirrt:

Blogbeitrag: Von Schubladen und falschen Filmen

076 // Kranke Kommunikation

Krankheit ist ein guter Lehrer, ja, aber sie kann auch Störer und Weltverdreher sein, denn Krankheit wirkt sich auf alle Lebensbereiche und alle menschlichen Interaktionsfelder aus.

Wie meine Krankheit beispielsweise auf die Kommunikationsfähigkeit einwirkt, zeigt eine kleine Situation, bei der ich mich neulich fragte, wie schlimm es mit mir noch werden wird …

Auf der Seite einer Physiotherapie-Praxis lese ich (auf dem Handybildschirm) „Physiotherapie –
Offene Stellen“

Als jung dynamischer zweckentfremdeter Lohnarbeiter, der ich einst war, hätte ich hierbei natürlich sofort an die nächste Stufe der Karriereleiter gedacht.

Aber als (dazu noch leicht autistisch veranlagte) Kranke assoziiere ich spontan stattdessen: …

Na? Was?

Richtig: Wunden, Geschwüre und grausliche Dekubitus-Fälle.

Dazu fällt mir dann nur noch eins ein:

Picard Facepalm

Dieses Video ansehen auf YouTube.

———————–

(Quelle Titelbild: movida-physiotherapie.de)

075 // Konfliktangst-Bewältigungstraining: check

Der ein oder andere mag meine Aktion für sarah (und Viola) albern und übertrieben finden. Dabei sollte man nicht vergessen, warum ich unter anderem so vorgehe: Stichwort „Konfliktangst-Bewältigungstraining“ …

Ich wollte Ärger, Konflikt und Stress, damit ich mich daran gewöhnen kann und durch Gewöhnung und Konfrontation ein bisschen lockerer werde. Ich habe Ärger, Konflikt und Stress bekommen, also musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.

Zumal ich bei meinem letzten sehr großen, unvorhersehbaren Konflikt, von dem ich noch gar nicht erzählt habe, wieder sehr schwer angeschlagen war.

Und, hat’s was gebracht?
Ja, absolut.
Im Vergleich zum Bootcamp nach meinem Auftritt im Kopfschmerzforum war das gestern schon ein Spaziergang.

Wir erinnern uns:
Damals: 3 Tage Panikattacken, Herzangst, Migräne und Heulerei ohne Ende. Selbstzweifel, Fluchttendenz und Verzweiflung. Das ganze Blog wollte ich zwischendurch löschen! Ich Weichei.

Diesmal lief es schon bedeutend besser: Nur einmal ordentlich Blutdruck, Schwindel und Ohrenfiepsen. Ein paar Stunden Nervenzucken und Gesichtsschmerzen. Pillepalle! Und Migräne krieg‘ ich sowieso alle paar Tage, da sind die Kausalitäten wurscht.

Das wird also! 🙂

Was hab‘ ich diesmal anders gemacht?
Diesmal habe ich mich mit meinen Körperreaktionen als solche beschäftigt, sie nicht sofort als „Angst“ wahrgenommen und ich habe mal wieder alle Stimmen in mir labern lassen – nichts unterdrückt oder ignoriert. Es war dadurch mehr ein hysterisches inneres Zeter und Mordio, aber es gab von Anfang an auch die amüsierten Teile, denn spätestens als Viola „Spast“ zu mir gesagt hat, hab‘ ich mich gefreut, wie ein Schneekönig. Ich fühl‘ mich richtig geehrt irgendwie. Einerseits, weil ich das Wort phonetisch so mag und immer an das Buch „Chill‘ mal, Frau Freitag“ * denken muss und andererseits, weil ICH sie dazu gebracht hab‘, ausfallend zu werden. Das ist nicht nur selbstwirksam sondern sogar fremdwirksam! Das ist ein Riesenerfolg für mich.
Aber nicht nur für mich!
Auch mein Mann ist glücklich, weil er sein Betitelungs-Repertoire erweitern konnte. So nennt er mich jetzt liebevoll „mein Spast“ (statt Affenmädchen) 😀

Ebenfalls nicht zu vergessen:

Ich bin immer noch ein schwerbehinderter Erwerbsminderungsrentner (GdB 70), der keine 500 Meter zügig alleine laufen kann und fast nur in der Bude oder im Bett hängt, weil er sich zwischen den Migräneattacken mit chronischen Schmerzen im ganzen Körper, Depris, Ängsten und Erschöpfung rumärgern muss.

DAFÜR hab‘ ich nicht schlecht reagiert, finde ich. FibroFog hin oder her. Da muss ich mich mal selber loben. 😉

Aber die wichtigste Erkenntnis, die sich auch diesmal wieder bestätigt: Egal, was ist: so lange man nicht alleine dasteht, ist alles zu schaffen.
Ob die vielen tollen Nachrichten, die Lacher im „Publikum“ oder die Tatsache, dass ich um mich herum Menschen habe, die auch wirklich jeden Scheiß mittragen, den ich mir ausdenke, für alles und jeden einzelnen bin ich dankbar. Dankbar, dass es auch diese Menschen gibt und, dass sie da sind, wenn ich sie brauche.

DAS ist der Unterschied zu früher und DAS ist der Unterschied zwischen Trauma und Glück. <3

 

*

Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ Da steht also ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte, und denkt, ein Spast sei ein kleiner Vogel.
(Quelle: Frau Freitag – Chill‘ mal, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin. Ullstein 2011)

Kleinanzeige Teddybär

074 // I love sarah – Kleinanzeige die 2. …

Irgendwie hatte mich sarahs Schicksal von neulich nicht losgelassen und nach einer fast schlaflosen Nacht (nicht wegen ihr, aber wegen einer ähnlich willkommenen „Freundin“ namens Fibromyalgie) stellte ich eine weitere Kleinanzeige in dem Portal mit dem entsprechenden Bild* ein:

„Liebe Kleinanzeigen-Leser.
Auf meine letzte Anzeige in der Rubrik „zu verschenken“, in der ich nach alten / defekten Woks suche (gerne geschenkt), erhielt ich eine Antwort von einem Nutzer namens sarah.
sarah schrieb: „Schmarotzer“

Ich habe sarah daraufhin einen ganzen Blogeintrag auf meiner Seite myyzilla . de gewidmet (Titel: „073 // Leute gibts …“)

Jetzt suche ich noch mehr Liebe und Aufmerksamkeit für sarah. Es scheint ein großer Mangel hieran bei ihr (oder ihm?) zu bestehen.

Natürlich zahle ich als Schmarotzer nichts dafür, aber vielleicht können wir alle zusammen mit unseren liebevollen (kostenlosen) Gedanken sarahs Herz irgendwie erwärmen und dafür sorgen, dass sarah sich wieder besser fühlt.
Da sie leider ansonsten anonym blieb, müsste es irgendwie „feinstofflich“ gelingen, aber der Glaube an die gute Sache versetzt ja bekanntlich Berge. 😉

Wer auch Liebe und Aufmerksamkeit braucht, kann sich gerne ebenfalls melden. Vielleicht gibt es auch noch originellere und zeitgemäßere Beschimpfungen, die euch einfallen? Die besten veröffentliche ich natürlich ebenfalls auf meinem Blog. ;-)“

Nach ein paar Stunden konnte ich bereits über 200 Aufrufe verzeichnen und bekam viele Nachrichten und Likes.

Nur sarah schwieg bisher. Mag vielleicht daran liegen, dass ich sie direkt nach ihrem kleinen „Fauxpass“ beim Anbieter als Spam gemeldet habe. Natürlich ohne vorher auf sie direkt zu reagieren. 🙂 Das macht man ja nicht. Das wäre dann doch zu viel Futter für einen Troll.

Viel lieber berichte ich von dem wirklich tollen, positiven Feedback, das ich erhalten habe:

Zum Beispiel von Kati: Sie wurde kürzlich offenbar auch von einer sarah dämlich angeschrieben, nachdem sie einige gut erhaltene Kuscheltiere anbot und lediglich einen kleinen Obolus in Form einer Tüte Kaffepads o.ä. dafür erbat. (Was fällt ihr auch ein?! ;-))

Oder Andreas: Er schrieb von Denise, die ihn als Katzenvermehrer beschimpfte, weil er Katzenbabys nicht zum Spottpreis abgeben wollte, um sie vor fragwürdiger „Weiterverwendung“ zu schützen.

Und Ronny, der zusicherte, ein bis zwei Minuten seiner Zeit zu investieren, um an sahra zu denken. Er mutmaßte:

„da steckt ein armer Mensch hinter, der leider noch nicht kennengelernt hat, was es heißt, was für andere Menschen zu tun“.

Wie schon persönlich geschehen, danke ich ihm auch hier nochmal für seine Unterstützung, denn ich finde, in diesem speziellen Fall zählt jede Minute! 🙂

CH. schrieb:

„Diese Person „Sarah “ hat wirklich nichts besseres zu tun als Leute wegen ihrer Suchanzeigen zu beschimpfen, Bedauerlich !!!!“

Ramazan zeigte sich ebenfalls empathisch:

„Scheiß einfach auf solche Menschen, die den Sinn deiner Anzeige nicht verstanden haben!!!!!LG“,

schrieb er.

Ich antwortete ihm:

„[…] Du hast einerseits Recht, wenn du sagst „scheiß drauf“. An ihr als Person bin ich auch überhaupt nicht interessiert und sie selbst wird von mir auch keinerlei persönliche Reaktion erhalten.
Aber ich meine das schon ernst, dass bei solchen Menschen einfach viel Liebe und Aufmerksamkeit fehlte, so dass sie weder Mitgefühl noch Empathie entwickeln konnten.
Dafür ist nicht nur sie selbst, sondern auch andere mitverantwortlich.
Dazu noch ein bisschen Neid und eigener sozialer Misserfolg und schon haben wir den Salat (wie man leider an jeder Ecke in dieser Welt sehen kann).
Dieser Gesinnung und hasserfüllten Trollerei möchte ich etwas entgegensetzen.

Irgendwas – und wenn es „nur“ Liebe ist ;-)“

Ich hoffe sehr, es hilft … 😉

—— update 14.4.: ——

Aaaah, endlich mal eine zünftige Beleidigung! 🙂

Viola schreibt:

„Du bist die jenige die hier aufmerksamkeit sucht, spast“

Wow!

Also „spast“ finde ich auf jeden Fall schonmal zeitgemäßer als „Schmarotzer“ – dafür Daumen hoch … und neun Wörter sind ja schon eine richtig persönliche Nachricht … Toll! 🙂 Die fünf Fehler will ich mal nicht überbewerten, der gute Wille zählt. Weiter so! 🙂

Beeindruckend, dass sar… äh Viola auch schon erkannt hat, warum man mit seinen Geschichten und Erlebnissen in die Öffentlichkeit geht. Also dumm ist sie nicht … Respekt! 😉

 

 

 

 

_ _ _

* (Bild: Pixabay)

073 // Leute gibt’s … (meine Kleinanzeige)

Jetzt schreib‘ ich mir in diesem Blog seit über einem Jahr die Finger wund und habe nicht einen einzigen ernsthaften Hater damit hinter’m Ofen vorgelockt.

Bis auf ein paar Spam-Kommentare, die sexuelle Onlinedienstleistungen offerieren, nahm bisher niemand mein Geschreibsel zum Anlass, sich irgendwie unqualifiziert zu äußern – im Gegenteil, bisher erreichte mich nur positives Feedback. (Mal abgesehen von meinen Gönnern aus dem Kopfschmerz-Forum …)

Insgeheim wünschte ich damals schon, dass es mal richtig rund geht hier, um meine Konfliktfähigkeit zu trainieren und es mit Trollen jeder Art aufzunehmen und sie in Grund und Boden zu ignorieren.

Wer kann ahnen, dass es mir nun mit einer einzigen kleinen Anzeige auf einem bekannten Online-Kleinanzeigen-Portal endlich gelungen ist, offenbar die Königin (zumindest aber laut hebräischer Namensetymologie Prinzessin, Fürstin oder Herrin) der Hater zu erwischen:

sarah

sarah antwortete auf meine Anzeige, in der ich (alte, defekte, verbeulte, qualitativ unbrauchbare) Woks für mein nächstes Bastelprojekt suche (die ich gerne kostenlos nehme, aber auch Preisvorstellungen erfrage) folgendermaßen:

„Schmarotzer“,

schreibt sarah.

Nichts weiter.

Fast hätte ich ihre kurze Nachricht zwischen all dem systemseitig gedruckten Drumherum gar nicht gesehen, doch dann kapierte ich, dass dies wirklich und wahrhaftig sarahs Reaktion auf meine Anzeige ist, die ich (naiver- und aufrichtigerweise) unter der Rubrik „zu verschenken“ eingestellt hatte.

Zugegeben: Der erste Reflex meinerseits war, ihr zu anworten und sie zu fragen, was (the fucking fuck) mit ihr nicht stimmt.

Aber ich besann mich kurz darauf und verlor mich in meinen Gedanken …

Ich stellte mir sarahs Leben vor:

sarah wurde von den Männern, ihren Kindern, ihren Eltern, ihren Lehrern, Mitschülern, ihrem Vermieter, dem Hausmeister ihres Vermieters, ihren Frisörinnen, Nagelstylistinnen, Pizzaboten, Arbeitgebern, Lieferanten des Arbeitgebers und weiß der Geier von wem noch alles schwer enttäuscht – immer wieder. Immer zahlte sarah drauf, niemals wurde ihr etwas geschenkt – keine Beachtung, kein liebes Wort, kein Geld und vor allem: keine Liebe.

Nun sitzt sarah einsam und alleine abends vor’m PC oder mit ihrem Handy irgendwo auf einer vermutlich bundesdeutschen Couch und liest Online-Kleinanzeigen. OK, passiert mir ja auch manchmal, aber sarah ist schlauer. Anstatt einfach nur ziellos durch die Rubriken und Anzeigen zu surfen, legt sich sarah siegessicher auf die Lauer: Alle fünf Minuten aktualisiert sie die „zu verschenken“-Seite, um kein Unbill zu verpassen.

Denn sarah kennt sie alle, die miesen Tricks der Schurken, Halunken, Betrüger, Tagediebe, Tunichtgute, Leichenfledderer und eben Schmarotzer, die immer nur nehmen, nehmen, nehmen. Die sich am Hab und Gut hilf- und ahnungsloser Bürger vergehen und sich auf die mühsam vom Munde abgesparten Konsumgüter der (arbeitenden oder arbeitsuchenden) Gesellschaft stürzen wie die Aasgeier. Ohne jede Gegenleistung. Ohne Skrupel. Ohne Moral.

Aber nicht mit sarah! sarah zieht klare Kante! sarah räumt auf! sarah zeigt es allen, die sich an den Leistungsträgern dieser Nation versündigen, indem sie dreist und skrupellos etwas erbetteln, was ihnen nicht zusteht. sarah sagt den Schmarotzern dieser Welt Bescheid. Grade heraus und unerschrocken. Ehrlich und anonym … ups … jedenfalls unerschrocken und ehrlich!

Ich bin tief beeindruckt.

„sarah! sarah! sarah!“, rufe ich hinaus in die Welt.

@sarah: Du ist ganz toll. Ich schicke dir so viel Liebe, wie du nur essen kannst und all meine Freunde tun es mir gleich. Du kannst jetzt also etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Geh‘ doch abends mal baden – oder iss‘ ein Eis.

Vielleicht schaust du auch noch mal in deine Schränke. Vielleicht hast du doch noch einen alten, verbeulten Wok, den du mir kostenlos zur Verfügung stellen möchtest. Ich hol‘ ihn gerne persönlich ab, dann kannst du auch ganz persönlich danke sagen, für die ganze Aufmerksamkeit, die dir heute hier zuteil geworden ist. Du kannst stolz auf dich sein, denn wer hat schon die Gabe, mit nur einem einzigen Wort einen ganzen Blogeintrag heraufzubeschwören … 😉

Heil sarah!

072 // Nur für Ärzte: 13 Tipps, wie Sie es schaffen, dass auch chronisch Kranke nicht mehr zum Arzt gehen

Zynismus ist manchmal der einzige Weg, den ich noch gehen kann, um mir mein Leben schön zu denken. Dann schleppe ich mich durch ein Seelental nach dem anderen, um mich irgendwann auf einem halbschattigen Hügelchen wiederzufinden, an dem es schöner ist und ich versöhnlich lächelnd auf die Täler zurückblicken kann. Hier kann ich meine Wunden lecken und das Lehrreiche an der Seelental-Lektion resümieren.

In meinen Tälern gibt es aber nicht nur für mich selbst viel Lehrreiches zu entdecken. Ich gebe gerne – das war schon immer so. Vor allem gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen gerne an Bedürftige weiter …

… diesmal: Ärzte. 🙂

13 Tipps, wie Sie es schaffen, dass auch ein chronisch kranker Mensch nicht mehr zum Arzt geht:

  1. Zwingen Sie einem Säugling mit Gewalt Ihre Behandlung auf. Fügen Sie ihm Schmerzen zu, bis er sich existenziell bedroht fühlt. Loben Sie hernach seinen willensstarken Kampf gegen die Behandlung (= Bedrohung). Bestärken Sie die Mutter darin, das Kind schreien zu lassen – egal, was ist.
  2. Reißen Sie einer verängstigten, schwangeren Patientin die Brille von der Nase, weil diese aus Angst und Verunsicherung nicht schnell genug auf ihre Chiro-Pritsche hüpfen kann (die fette Kuh). Vergessen Sie nicht, ihr dabei ein paar Haare auszureißen. Ignorieren Sie die Tatsache, dass die Patientin in der Nacht nach dieser Behandlung eine Fehlgeburt erleidet.
  3. Behandeln Sie einen Patienten, der Sie wegen eines Mandelabszesses aufgesucht hat, in jedem Falle auch mit Blutdrucksenkern. Lassen Sie ihre Sprechstundenhilfe das Rezept an der Anmeldetheke für ihn bereithalten, ohne mit dem Patienten persönlich darüber gesprochen zu haben.
  4. Verordnen Sie einem Patienten, den Sie mit Blutdrucksenkern behandeln und der Sie wegen mehrfach gemessenen sehr niedrigen Blutdruckwerte und damit verbundenem Schwindel und Unwohlsein aufsucht, noch mehr Blutdrucksenker, weil er während einer Panikattacke in Ihrer Praxis 160/95 abliefert. Weisen Sie beharrlich darauf hin, dass er zu dick ist und rechnen Sie für diesen Termin noch ein Hautscreening ab, bei dem Sie ein Hämangiom diagnostizieren (natürlich, ohne diese Leistung erbracht zu haben und ohne irgendeine Hautveränderung beobachtet zu haben.)
  5. Diagnostizieren Sie in jedem Fall psychosomatische oder Wechseljahresbeschwerden ohne irgendetwas untersucht zu haben. Weisen Sie jedoch stets und ausschließlich auf das Übergewicht des Patienten als Lösung aller gesundheitlichen Probleme hin. Ignorieren Sie, dass trotz erheblicher Gewichtsabnahme alle Probleme weiterhin bestehen. Ignorieren Sie auch ödemische Veränderungen.
  6. Schnauzen Sie einen Patienten, der mit dem Rettungswagen mit krisenhaft erhöhtem Blutdruck, Sprachstörungen, Lähmungen, Sichtfeldausfällen, Schwindel und Ohrgeräuschen in Ihrer Notaufnahme ankommt an, er solle gefälligst mal normal mit Ihnen sprechen. Empfehlen Sie im Entlassungsbericht die Weiterbehandlung durch den Psychiater (nicht Neurologen), ohne die neurologischen Ausfälle zu erwähnen oder abgeklärt zu haben.
  7. Sagen Sie einem Patienten, der sein Leben lang sämtliche Krankheiten ignoriert hat und mit Bronchitis, Gallenkoliken, Gürtelrose und chronischer Mandelentzündung, Migräne und Fieber immer zur Arbeit gegangen ist bis zum Umfallen und nach 2 Bandscheibenvorfällen in der HWS in einer von ihm selbst initiierten Wiedereingliederung mit fieberhafter Bronchitis, Gastritis und Migräne für 2-3 Tage aussetzen möchte: „Sie müssen mal in die Gänge kommen mit Ihrer Arbeit. Sie sind doch noch so jung.“
  8. Verordnen Sie einem Angst-Patienten mit diversen Medikamentenunverträglichkeiten neuerlich ein Antidepressivum ohne ihn vorher über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt zu haben. Schreiben Sie in die Patientenakte, die Verordnung sei nach umfassender Aufklärung erfolgt. Schleichen Sie das Medikament nicht ein. Lassen Sie den Patienten am Freitag direkt 20 mg Zieldosis beim ersten Versuch einnehmen.
  9. Wenn der Patient nach der Einnahme des o.g. Medikamentes mit extremen, teils paradoxen Nebenwirkungen reagiert, am Wochenende mit einem Anfall mit diversen neurologischen Ausfällen bis dato unklarer Ursache in der Notaufnahme landet, und seitdem schwerste Durchfälle hat, ignorieren Sie ihn und seinen erbärmlichen Zustand am darauffolgenden Montag und schicken Sie ihn zum Hausarzt, weil Sie sonst den Krankenkassen-Gesundschreib-Bonus des Programms „Schmerzfrei leben“ nicht bekommen.
  10. Wenn ein Patient mit einem Rollator zu ihnen in die Praxis kommt und stolz ist, weil er es damit geschafft hat, alleine Ihre Praxis zu erreichen (anstatt weiter bettlägrig zu hause zu bleiben oder sich von jemandem fahren zu lassen). Lachen Sie ihn deswegen aus und machen Sie ein paar abfällige Bemerkungen über sein Engagement und seine Beschwerden.
  11. Wenn ein Patient mit chronischer Migräne an 17-18 Tagen im Monat Migräne (in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen) hat und sich darüber freut, weil es schon mal mehr waren, sagen Sie süffisant: „Na, dann haben wir ja Glück, dass Sie heute mal keine Migräne haben“ und: „Wenn Sie gestern Migräne hatten, wären Sie doch heute nicht hier.“ Ignorieren Sie im weiteren Verlauf des Gesprächs eine Dissoziation des Patienten. Machen Sie sich keine Gedanken, darüber, warum er Sie in dieser Situation sogar duzt (Intrusion wird generell überbewertet).
  12. Ignorieren Sie Briefe und verweigern Sie die Annahme von Einschreiben des Patienten, der Ihnen darin über seine Betroffenheit und die Konsequenzen durch die Situation in der Behandlung berichtet.
  13. Das Wichtigste: Fühlen Sie sich niemals verantwortlich für die physische oder gar psychische Gesundheit Ihrer Patienten.

Dies sind nur einige Beispiele, wie Sie es schaffen, die lästigen Kranken loszuwerden. Seien Sie kreativ. Finden Sie Ihren eigenen Weg zu zeigen, wie wenig Ihnen wirklich an den Menschen liegt, die tagtäglich Ihre Hilfe suchen und damit Ihre Existenz sichern.

071 // Insta-Challenge #ichundmeinepsyche

Seit gestern gibt es auf Instagram eine tolle Aktion, die von der Userin freudmich ins Leben gerufen wurde. Eine Insta-Challenge, die an fünf aufeinander folgenden Montagen auf das Leben mit psychischen Erkrankungen aufmerksam machen und Stigmatisierung entgegen wirken soll.

Sie schreibt:

„ 17,8 Millionen Deutsche erkranken jährlich an einer psychischen Störung. Ob selbst betroffen, Freunde, Arbeitskollegen oder Familie: Wir sind alle entweder direkt oder indirekt damit konfrontiert.
Am Tag eins wollen wir darauf aufmerksam machen, dass psychische Störungen keine Seltenheit sind. Machste mit? ☺️ Poste dazu ein Bild mit der Zahl (17,8 Mio) und verwende den Hashtag #ichundmeinepsyche “
Quelle: instagram.com/freudmich

Ich habe natürlich mitgemacht – Ehrensache 😉

Gerade, weil ich weiß, wie schwer es fällt, die Fassade fallenzulassen. Es gibt noch so viele Vorurteile und Stigmatisierungen, die mit einer F-Diagnose gratis frei Haus geliefert werden, dass sich einem der Magen umdreht. (Das nennt man dann „psychosomatische Beschwerden“ ;-))

Vor ein paar Tagen noch, sprach ich mit einem Mann, der offensichtlich seit Jahren an Depressionen und allerlei somatisiertem Unbill leidet, sich dies aber niemals eingestehen würde, weil er unter anderem Angst hat, mit einer solchen Diagnose im Alter schneller entmündigt werden zu können.

Muss man mal kurz einwirken lassen …

Mich machen solche Aussagen sprachlos. Sie zeigen aber, das wir was tun MÜSSEN.

WIR, die wir uns äußern und zu Wort melden können, müssen aus’m Quark kommen und ins Licht der Öffentlichkeit treten, um zu zeigen, dass wir keine Aliens mit sieben Nasen und acht Ohren sind (dies schrieb ich auch so ähnlich einer Instagrammerin, die sich nach langem Überlegen doch dazu durchgerungen hat, ihr – wirklich hübsches – Gesicht zu zeigen).

Natürlich gibt es unter den psychisch Kranken auch Extremfälle oder Menschen, die mit Hirnanomalien auf die Welt gekommen sind, die sie daran hindern, sich „normal“ zu entwickeln. Auch gefährliche „Verrückte“ sind unterwegs – keine Frage.

In den allermeisten Fällen (das ist meine feste Überzeugung und Zahlen suche ich später noch) sind es aber nicht die Hirnkranken (zu denen ich mich aufgrund der Migräne genau genommen auch zählen müsste) oder die Psychopathen, die wir in den Statistiken der psychischen Krankheiten sehen, sondern es sind die ehemals „normalen“, liebenswerten kleinen Menschen, die man in die Welt gesetzt hat, ohne sie zu fragen, ob sie das unter den ihnen gegebenen Umständen überhaupt wollen.

Die sogenannte „Umwelt“, Menschen, denen wir unser Leben anvertrauen mussten, Menschen, die wir geliebt haben, Menschen, die uns enttäuscht, gequält und missbraucht haben, Menschen, die unsere Hilferufe ignoriert haben, Menschen, die uns als zu schwach aussortieren, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind: psychisch krank.

Auslöffeln können wir die Suppe in der Regel alleine.

Die meisten von uns schaffen das auch. Aber viele eben nicht. Psychische Erkrankungen enden oft tödlich, das sollte jedem klar sein. Nicht nur die Selbstmörder gehören zu den Opfern, auch ein großer Teil der Herz- / Kreislauf- und Krebstoten könnte noch leben, wenn ihre Psyche sie nicht noch zusätzlich geschwächt hätte – davon bin ich überzeugt (ohne belastbares Zahlenmaterial parat zu haben).

Hier jedenfalls mein Beitrag an Challenge-Tag 1:

„ Tolle Idee von @freudmich -
Ich mache mit! Für Aufklärung und Entstigmatisierung halte ich meine Rübe gerne ins Licht ... 😉 🙂 Das muss sein, denn WIR müssen uns nicht verstecken. WIR sind nicht Schuld an dem, wie es uns geht. WIR haben uns unsere Situation nicht ausgesucht, aber WIR müssen damit leben. Leider werden WIR immer mehr. Mal sehen, wie viele WIR noch werden müssen, bis auch der letzte verstanden hat, dass eine psychische Krankheit kein Zeichen von Schwäche ist. Ein Leben mit psychischer Erkrankung ist nichts für Weicheier: Es ist Kraftsport, Drahtseilakt, Marathon laufen, Jonglieren, Jagen, Angeln, Balancieren und: mit den Monstern kämpfen.
Jeden Tag. Jede Nacht.“

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