056 // „In the end it doesn’t even matter …“ :-(

Ich bin etwas spät dran mit meinen Beileidsbekundungen, aber mich hält die Migräne immernoch in Schach. Trotzdem beschäftigt mich der Tod von Chester Bennington, dem Sänger von Linkin Park am 20. Juli, mehr als ich vermutet hätte.

„Und wieder einer von uns, der’s nicht geschafft hat“, denke ich. Wieder einer, der den Kampf gegen Depression und Trauma verloren hat.
Benningtons Schicksal geht mir nah, obwohl ich ihn nur durch seine Musik kannte – vor allem die frühen Alben Hybrid Theory und Meteora der Band habe ich rauf und runter gehört, aber auch neue Stücke wie Heavy mag ich.

Immerhin hat Chester Bennington in den letzten ca. 20 Jahren viel von meinem eigenen Schmerz durch meine Lautsprecherboxen geschrien – wie ich es selbst nicht besser gekonnt hätte.

„Crawling in my skin –
these wounds they will not heal“

Wie oft hab‘ ich diese und andere Zeilen aus den Liedern von Linkin Park mitgeschrien und/oder mitgeschluchzt?

Jetzt empfinde ich Traurigkeit und Wut –
aber auch Demut und Dankbarkeit.
Traurigkeit und Wut, weil ich es generell schlecht aushalten kann, dass ein so junger Mensch (41!) an irgendwas in seinem Inneren, für das er wahrscheinlich nichts konnte, kaputt geht und ihn nichts retten konnte – nicht mal die Liebe zu und von seinen Kindern. 😦

Demut und Dankbarkeit, weil mich meine eigenen „mentalen Sicherungsseile“ immer noch gut und sicher halten und sich trotz aller Not seit meinem juvenilen Hilferuf vor ca. 30 Jahren (ich berichtete) noch nicht gelockert haben. Wann immer ich von Selbstmorden in Verbindung mit Depression und Trauma höre, check‘ ich das reflexartig. Man ist sich ja immer selbst der Nächste.

Ich habe Glück – ich fühle mich gehalten vom und im Leben.

Für Chester Bennington lief es trotz Geld, Ruhm und Ehre weniger gut: Vor zwei Monaten trat sein Freund Chris Cornell (Sänger der ebenfalls von mir geschätzten Band Soundgarden) auf die gleiche Weise ab und kappte damit eines von Benningtons Seilen … so denke ich mir das.

Aber, was weiß ich schon?

Bleibt zu hoffen, dass seine Kinder und ihm nahestehende Menschen das irgendwie „verpacken“ können …

Das macht ja eh jeder anders.

Äußerungen wie die von Brian Welch (Gittarist von Korn) kann ich da auch verstehen. Er hatte auf facebook ziemlich wütend geschrieben „Ich habe genug von diesem Selbstmordscheiß!„, weil er meint, dass sei der „feige Weg“ und keine „gute Botschaft“ für die Kinder und Fans. Stimmt auch irgendwie. Natürlich kassierte er einen Shitstorm. Klar. Allen tut was weh, alle wollen mit ihrer Wut irgendwo hin.
Ich möchte auch jedem Suizidkandidaten erstmal ins Gesicht schreien. „Lass die Scheiße!“ Aber, wer bin ich, dass ich mir ein Urteil über Ausmaß und Auswirkung eines anderen Leids anmaßen kann?

Jeder sollte machen dürfen, was er für richtig hält.

Ich heul‘ einfach ein paar Tage und freue mich, dass ich noch – und wieder – heulen kann.

„In the end it doesn’t even matter …“

R.I.P.  – Chester Bennington.

 

Mehr von Linkin Park auf deren youtube-channel:
https://www.youtube.com/user/linkinparktv

———————

Ich finde diesen Standard-Hinweis am Ende von Berichten über Selbstmorde immer irgendwie seltsam, weil sie so „druntergestempelt“ aussehen. Einige wirken fast arrogant, weil man deutlich merkt, dass ein standardisierter Textbaustein verwendet wird – von Autoren, die meistens nicht den Hauch einer Ahnung haben, um was es da wirklich geht.

Meine „Standardversion“ schreibe ich hier bewusst noch mal hin, weil ich weiß, dass solche Geschichten eine Art Sogwirkung haben können und weil ich weiß, dass es im Notfall helfen kann.

Also:

Wenn Du an Selbstmord denkst:

Überleg‘ Dir gut, was Du mit Deinem Plan erreichen willst. In den allermeisten Fällen geht die Rechnung ebenso wenig auf wie bei mir (s.o.). Wenn Du sämtliche Plausibilitätsprüfungen durch hast, denk noch mal drüber nach. Schlaf eine Nacht drüber. Und denk noch mal nach. Dann rede mit irgendwem über Deine Gedanken. Wenn Du niemanden kennst, der das aushält, wende Dich an die Menschen von der Telefonseelsorge. Hier hört man Dir zu. Anonym, kostenlos und rund um die Uhr.

Telefonnummern: 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

Der Anruf taucht übrigens nicht auf der Telefonrechnung oder im Einzelverbindungsnachweis auf.

Du kannst auch per E-Mail Kontakt mit den Leuten von der Seelsorge aufnehmen: Unter https://ts-im-internet.de/ findest Du alle Infos.

Bevor Du weiter planst, schau‘ unbedingt mal hier rein: Freunde fürs Leben

Wenn Du weiter dabei bleibst, dass Suizid der richtige Weg ist: Denk dran: Keiner ist unnütz, er kann immer noch als abschreckendes Beispiel dienen ;-P – – Wenn Du jetzt wütend auf mich bist wegen des dummen Spruchs – gut!
Wut ist Leben! Du spürst gerade Lebensenergie in Dir. Mach was draus! Es lohnt sich!

Ein Gedanke zu “056 // „In the end it doesn’t even matter …“ :-(

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