Jetzt schreib‘ ich mir in diesem Blog seit über einem Jahr die Finger wund und habe nicht einen einzigen ernsthaften Hater damit hinter’m Ofen vorgelockt.

Bis auf ein paar Spam-Kommentare, die sexuelle Onlinedienstleistungen offerieren, nahm bisher niemand mein Geschreibsel zum Anlass, sich irgendwie unqualifiziert zu äußern – im Gegenteil, bisher erreichte mich nur positives Feedback. (Mal abgesehen von meinen Gönnern aus dem Kopfschmerz-Forum …)

Insgeheim wünschte ich damals schon, dass es mal richtig rund geht hier, um meine Konfliktfähigkeit zu trainieren und es mit Trollen jeder Art aufzunehmen und sie in Grund und Boden zu ignorieren.

Wer kann ahnen, dass es mir nun mit einer einzigen kleinen Anzeige auf einem bekannten Online-Kleinanzeigen-Portal endlich gelungen ist, offenbar die Königin (zumindest aber laut hebräischer Namensetymologie Prinzessin, Fürstin oder Herrin) der Hater zu erwischen:

sarah

sarah antwortete auf meine Anzeige, in der ich (alte, defekte, verbeulte, qualitativ unbrauchbare) Woks für mein nächstes Bastelprojekt suche (die ich gerne kostenlos nehme, aber auch Preisvorstellungen erfrage) folgendermaßen:

„Schmarotzer“,

schreibt sarah.

Nichts weiter.

Fast hätte ich ihre kurze Nachricht zwischen all dem systemseitig gedruckten Drumherum gar nicht gesehen, doch dann kapierte ich, dass dies wirklich und wahrhaftig sarahs Reaktion auf meine Anzeige ist, die ich (naiver- und aufrichtigerweise) unter der Rubrik „zu verschenken“ eingestellt hatte.

Zugegeben: Der erste Reflex meinerseits war, ihr zu anworten und sie zu fragen, was (the fucking fuck) mit ihr nicht stimmt.

Aber ich besann mich kurz darauf und verlor mich in meinen Gedanken …

Ich stellte mir sarahs Leben vor:

sarah wurde von den Männern, ihren Kindern, ihren Eltern, ihren Lehrern, Mitschülern, ihrem Vermieter, dem Hausmeister ihres Vermieters, ihren Frisörinnen, Nagelstylistinnen, Pizzaboten, Arbeitgebern, Lieferanten des Arbeitgebers und weiß der Geier von wem noch alles schwer enttäuscht – immer wieder. Immer zahlte sarah drauf, niemals wurde ihr etwas geschenkt – keine Beachtung, kein liebes Wort, kein Geld und vor allem: keine Liebe.

Nun sitzt sarah einsam und alleine abends vor’m PC oder mit ihrem Handy irgendwo auf einer vermutlich bundesdeutschen Couch und liest Online-Kleinanzeigen. OK, passiert mir ja auch manchmal, aber sarah ist schlauer. Anstatt einfach nur ziellos durch die Rubriken und Anzeigen zu surfen, legt sich sarah siegessicher auf die Lauer: Alle fünf Minuten aktualisiert sie die „zu verschenken“-Seite, um kein Unbill zu verpassen.

Denn sarah kennt sie alle, die miesen Tricks der Schurken, Halunken, Betrüger, Tagediebe, Tunichtgute, Leichenfledderer und eben Schmarotzer, die immer nur nehmen, nehmen, nehmen. Die sich am Hab und Gut hilf- und ahnungsloser Bürger vergehen und sich auf die mühsam vom Munde abgesparten Konsumgüter der (arbeitenden oder arbeitsuchenden) Gesellschaft stürzen wie die Aasgeier. Ohne jede Gegenleistung. Ohne Skrupel. Ohne Moral.

Aber nicht mit sarah! sarah zieht klare Kante! sarah räumt auf! sarah zeigt es allen, die sich an den Leistungsträgern dieser Nation versündigen, indem sie dreist und skrupellos etwas erbetteln, was ihnen nicht zusteht. sarah sagt den Schmarotzern dieser Welt Bescheid. Grade heraus und unerschrocken. Ehrlich und anonym … ups … jedenfalls unerschrocken und ehrlich!

Ich bin tief beeindruckt.

„sarah! sarah! sarah!“, rufe ich hinaus in die Welt.

@sarah: Du ist ganz toll. Ich schicke dir so viel Liebe, wie du nur essen kannst und all meine Freunde tun es mir gleich. Du kannst jetzt also etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Geh‘ doch abends mal baden – oder iss‘ ein Eis.

Vielleicht schaust du auch noch mal in deine Schränke. Vielleicht hast du doch noch einen alten, verbeulten Wok, den du mir kostenlos zur Verfügung stellen möchtest. Ich hol‘ ihn gerne persönlich ab, dann kannst du auch ganz persönlich danke sagen, für die ganze Aufmerksamkeit, die dir heute hier zuteil geworden ist. Du kannst stolz auf dich sein, denn wer hat schon die Gabe, mit nur einem einzigen Wort einen ganzen Blogeintrag heraufzubeschwören … 😉

Heil sarah!