Schlagwort: Konfliktangst

075 // Konfliktangstbewältigungstraining: check

Der ein oder andere mag meine Aktion für sarah (und Viola) albern und übertrieben finden. Dabei sollte man nicht vergessen, warum ich unter anderem so vorgehe: Stichwort „Konfliktangstbewältigungstraining“ …

Ich wollte Ärger, Konflikt und Stress, damit ich mich daran gewöhnen kann und durch Gewöhnung und Konfrontation ein bisschen lockerer werde. Ich habe Ärger, Konflikt und Stress bekommen, also musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.

Zumal ich bei meinem letzten sehr großen, unvorhersehbaren Konflikt, von dem ich noch gar nicht erzählt habe, wieder sehr schwer angeschlagen war.

Und, hat’s was gebracht?
Ja, absolut.
Im Vergleich zum Bootcamp nach meinem Auftritt im Kopfschmerzforum war das gestern schon ein Spaziergang.

Wir erinnern uns:
Damals: 3 Tage Panikattacken, Herzangst, Migräne und Heulerei ohne Ende. Selbstzweifel, Fluchttendenz und Verzweiflung. Das ganze Blog wollte ich zwischendurch löschen! Ich Weichei.

Diesmal lief es schon bedeutend besser: Nur einmal ordentlich Blutdruck, Schwindel und Ohrenfiepsen. Ein paar Stunden Nervenzucken und Gesichtsschmerzen. Pillepalle! Und Migräne krieg‘ ich sowieso alle paar Tage, da sind die Kausalitäten wurscht.

Das wird also! 🙂

Was hab‘ ich diesmal anders gemacht?
Diesmal habe ich mich mit meinen Körperreaktionen als solche beschäftigt, sie nicht sofort als „Angst“ wahrgenommen und ich habe mal wieder alle Stimmen in mir labern lassen – nichts unterdrückt oder ignoriert. Es war dadurch mehr ein hysterisches inneres Zeter und Mordio, aber es gab von Anfang an auch die amüsierten Teile, denn spätestens als Viola „Spast“ zu mir gesagt hat, hab‘ ich mich gefreut, wie ein Schneekönig. Ich fühl‘ mich richtig geehrt irgendwie. Einerseits, weil ich das Wort phonetisch so mag und immer an das Buch „Chill‘ mal, Frau Freitag“ * denken muss und andererseits, weil ICH sie dazu gebracht hab‘, ausfallend zu werden. Das ist nicht nur selbstwirksam sondern sogar fremdwirksam! Das ist ein Riesenerfolg für mich.
Aber nicht nur für mich!
Auch mein Mann ist glücklich, weil er sein Betitelungs-Repertoire erweitern konnte. So nennt er mich jetzt liebevoll „mein Spast“ (statt Affenmädchen) 😀

Ebenfalls nicht zu vergessen:

Ich bin immer noch ein schwerbehinderter Erwerbsminderungsrentner (GdB 70), der keine 500 Meter zügig alleine laufen kann und fast nur in der Bude oder im Bett hängt, weil er sich zwischen den Migräneattacken mit chronischen Schmerzen im ganzen Körper, Depris, Ängsten und Erschöpfung rumärgern muss.

DAFÜR hab‘ ich nicht schlecht reagiert, finde ich. FibroFog hin oder her. Da muss ich mich mal selber loben. 😉

Aber die wichtigste Erkenntnis, die sich auch diesmal wieder bestätigt: Egal, was ist: so lange man nicht alleine dasteht, ist alles zu schaffen.
Ob die vielen tollen Nachrichten, die Lacher im „Publikum“ oder die Tatsache, dass ich um mich herum Menschen habe, die auch wirklich jeden Scheiß mittragen, den ich mir ausdenke, für alles und jeden einzelnen bin ich dankbar. Dankbar, dass es auch diese Menschen gibt und, dass sie da sind, wenn ich sie brauche.

DAS ist der Unterschied zu früher und DAS ist der Unterschied zwischen Trauma und Glück. <3

 

*

Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ Da steht also ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte, und denkt, ein Spast sei ein kleiner Vogel.
(Quelle: Frau Freitag – Chill‘ mal, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin. Ullstein 2011)

046 // Bootcamp „Konfliktangst-Bewältigung“

Die „Moderatorin“ einer großen Online-Migräne-Patienten-Community löscht einen von mir eingestellten Link auf mein Blog, den ich Forenregelkonform dort im Vorstellungsthread eingestellt hatte. Das ist ihr gutes Recht und für mich kein Problem. Im Verlauf der kurzen Unterhaltung äußern sie und ein anderer Forenteilnehmer (offenbar mit der Moderatöse bekannt) sich dann etwas abwertend und wenig sachlich über meinen Beitrag und mich persönlich.

Für mich reichte das, um mal wieder eine Extra-Runde im Selbstzweifelkarussel zu drehen und mich zu fragen, was ich jetzt wieder falsch gemacht habe, dass die so garstig zu mir sind.

Zwar habe ich Theorien, aber die würden weniger über mich sagen, als über diese Menschen und hier soll es ja um mich gehen.

Was ist passiert?

Neben einer kurzen Beschreibung  meiner Krankheiten habe ich einen Link auf mein Blog (= meine persönliche Geschichte) im Thread „Mein persönlicher Schmerzverlauf“ gesetzt.

Mit dem Hinweis, dass dort auch ein etwas kritischerer Bericht zur Schmerzklinik enthalten ist. Darum geht es in diesem Forum, dachte ich. Vorher hatte ich aufmerksam die Forenregeln studiert, in denen stand, das Forum diene u.a. zum Austausch von Links.

Da ich hin und wieder dort mitgelesen hatte, wurde ich auf einen Thread von einer Frau aufmerksam, die (ebenso wie ich damals) mit vielen Fragen und dem Gedanken „Kiel ist meine letzte Hoffnung“ ganz verzweifelt auf ihre Aufnahme dort wartet.

Da ich froh gewesen wäre, wenn man damals meine Hoffnungen nicht so immens hochgeschraubt hätte und jemand authentisch und differenziert über den Aufenthalt dort berichtet hätte, dann wäre mir eine mittlere Enttäuschung erspart geblieben und ich hätte schon vor Ort anders reagieren können, dachte ich.

In der Community-Netiquette steht: „Diese Migräne- und Kopfschmerz-Community mit Gruppenforen wurde eingerichtet, damit Du mit anderen Interessierten Deine Meinungen und Erfahrungen austauschen kannst. Dies soll eine Plattform zur freien und auch kritischen Diskussion sein – in einem offenen, friedlichen und freundlichen Gesprächsklima. Bitte unterstütze dieses Ziel: Diskutiere fair und sachlich – auch wenn es zu unterschiedlichen Meinungen kommen sollte.“ [Quelle: www.headbook.me]

Ich weiß nicht, was andere da lesen, aber für mich steht da: Meinungen und Erfahrungen, sowie freie (auch kritische) Diskussion erwünscht, sofern friedlich und freundlich. Da hab‘ ich mir nichts vorzuwerfen.  Aber: Soll ich da meine kompletten Texte reinkopieren? Albern. Also der Link.

Das war offenbar falsches, mindestens aber unerwünschtes Verhalten.

Man löscht also diesen Link und schreibt, dass die Forenregeln nach meinem Post jetzt angepasst worden wären. Die seien noch alt gewesen. Jetzt sei das unmissverständlich klar, dass keine Blogs o.ä. verlinkt werden dürfen.

Ok, konnte ich ja nicht wissen.

Vielleicht hätte man das mit der Netiquette auch anpassen sollen, die hat sich zwischenzeitlich wohl auch geändert …

Ich fühle mich im Folgenden jedenfalls vollkommen unangemessen und ungerechtfertigt persönlich angegangen. Ich will weder etwas verkaufen, noch Werbung für obskure Heilmethoden machen. Nur meine Geschichte erzählen.

Sinngemäß hieß es dann „glaubst du, dass man auf Deiner Seite mehr findet als auf unserer?“

Äh, … nein ?! … darum geht es doch gar nicht … ?! Was soll denn DER Scheiß?!

Das hätte ich mal so antworten sollen, aber ich dachte immer noch, is‘ doch alles easy, lösch‘ halt, was weg soll und gut is‘.

Aber, nein, es geht weiter.

Den vollständigen Austausch findet Ihr hier … 

Für den kleinen Ballon, den andere da für mich aufgeblasen haben, müsste ich mich aus PR-Sicht ja eigentlich bedanken (ohne Ende Klicks hier im Blog). Aber die Dankbarkeit überwiegt noch nicht – kommt noch. 😉

Momentan geben sich noch Schreck, Unverständnis und Angst die mentale Klinke in die Hand.

Schreck vor der grundlos überheblich, abwertenden, subtil-aggressiven Grundhaltung mir gegenüber. Unverständnis, ob der Gesamtentwicklung. Angst vor meinen daraus entstandenen inneren Vorgängen und Körpersensationen.

Klar, mit Kritik (auch und vor allem unsachlicher) muss man rechnen, wenn man seine Rübe derart aus’m Fenster hält wie ich hier. Da sind andere schon für weniger als Sau durch’s Dorf getrieben worden. Letztendlich ist es ja auch genau das, was ich brauche und suche, um mit meinen Konfliktängsten und Selbstzweifeln irgendwann besser umgehen zu können. Das sind die Geister, die ich rief.

In diesem Fall trifft es mich nur völlig unvermittelt, weil nicht beabsichtigt und zu spät erkannt.

Willkommen in meinem selbst errichteten Bootcamp der Konfliktangst- und Selbstzweifel-Bewältigung.

Die bisherigen Trainingseinheiten: Eine Panikattacke, mehrere Stunden Herzinfarktangst, zwei Tage Migräne, dick verheulte Augen und das quälende überhebliche Gefühl der Besserwisserei, das in mir aufsteigt, wenn ich sehe, wie PR-taktischer Dilettantismus und mangelnder Anstand guten Grundideen und dem Ansehen des eigenen Stalls schaden.

Ich kann gar nicht fassen, wie unprofessionell man sich im Grunde dort verhalten hat. Immerhin gehört das Forum einer international anerkannten medizinischen Institution. Dass die einfachsten Regeln im Umgang mit unerwünschten Postings nicht befolgt werden, erschüttert mich ehrlich gesagt.

Daran, wie nichtig der Anlass für MEINE Aufregung ist, kann man sehen, wie verzwickt die Sache mit den inneren Vorgängen bei Menschen wie mir sein kann. Was für die meisten „Normalen“ nicht einen Gedanken wert wäre, kann Menschen wie mich in den Ausnahmezustand katapultieren.

Jetzt, wo das überstanden ist, macht sich zwar das gute, friedliche Gefühl, alles richtig gemacht zu haben (und dabei nicht gestorben zu sein) breit, aber ob es in Form und Ausmaß notwendig gewesen ist, mir das selbst anzutun? Zumindest fraglich.

Ein Teil von mir ist richtig stinkig auf mich und schimpft fortwährend: Toll, ganz toll hast Du das gemacht. Hätte man nicht ahnen können, was?! Dusselige Kuh!

Fury ist auch eingeschnappt. Lässt sich nach seinem letzten Anfall nicht mehr am Gatter sehen. Hat wohl einfach keinen Bock, sich von mir ärgern zu lassen. Ich brauche drei Tage, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen.

Nicht zuletzt wegen des Zuspruchs einiger Leser, die mich kontaktiert haben, um mir ihre ganz ähnlichen Erfahrungen mit dem Forum zu schildern, kam ich mit den kurzzeitig aufflammenden Selbstzweifeln klar und konnte den Impuls, mein gesamtes Blog zu löschen, unterdrücken. Danke Euch!!!

Die Runde im Bootcamp hat mich ganz schön Energie gekostet. Aber es hat sich gelohnt. Nächstes Mal bin ich besser vorbereitet …

 

012 // Der Dodo in mir – Über Dummheit und Selbsthass

Nach einer längeren Auszeit schleppe ich mich mit meinen zwei Bandscheibenvorfällen, einer zünftigen Bronchitis, obernervigen Gastritis und den Ausläufern der Wochenend-Migräne in die dritte Woche eines Wiedereingliederungsversuchs, den ich selbst initiiert habe. Ich will wieder funktionieren. Vollgestopft bis obenhin mit Medikamenten aller Art, will ich meine Pflicht erfüllen. Andere haben schließlich auch Probleme.

Die Freude der Kollegen, mich nach vier Monaten AU wieder zu sehen, hält sich in Grenzen. Hatte ich etwas anderes erwartet? Im Grunde nicht. Aber wie „herzlich“ der Empfang wirklich ist, beeindruckt mich dann doch …

Den Gipfel der Liebenswürdigkeiten erlebe ich mit einer Kollegin, von der ich mal gedacht – nein, mir eingeredet hatte, sie hätte (trotz aller Verfehlungen) zumindest eine Art Grundanstand. Ein Irrtum.
„DU brauchst dir doch über deine Rente keine Sorgen zu machen, DU bist doch verheiratet.“, sagt die zehn Jahre jüngere, äußerlich hübsche, körperlich gesunde Kollegin mit glücklicher Kindheit und einem seit zig Jahren bestehenden Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst zu mir.

„Wie bitte?!“ Ich zweifle an meiner Wahrnehmung. Falscher Film.

Es entsteht ein bizarres Gespräch darüber, wer nun das härtere Los gezogen hat. Irgendwann frage ich sie: „Sag mal, bist du etwa neidisch?“
„Ja, sicher bin ich neidisch. DU hast ja einen Mann und ein Kind.“
Ich bin fassungslos und sehr wütend.
Wütend über das unendlich dumme Geschwätz dieses Menschen, aber vor allem über meine eigene unendliche Dummheit. Mein selbstzerstörerischer Hang, mich mit Menschen zu umgeben, die mir nicht gut tun, macht mich fertig. Ich bin wie einer dieser Dronten-Vögel, die Dodos, die einst auf der schönen Insel Mauritius ihren Schlächtern treuselig und gutgläubig immer wieder in die Arme gelaufen und schlussendlich von ihnen ausgerottet worden sind. Auch äußerlich gibt es gewissen Ähnlichkeiten zwischen mir und dem pummeligen Vogel mit dem watschelnden Gang. 😉

Wie ein treudoofer Dodo renne ich immer und immer wieder zu Menschen, die mir nicht nur einmal bewiesen haben, wie egal ich ihnen bin. Ich entschuldige, bagatellisiere, rechtfertige ihr Verhalten. Ich Vollidiot.

Hinrennen, Fresse polieren lassen, wieder hinrennen, wieder Fresse polieren lassen, nochmal hinrennen …

Jeder normale Mensch hätte spätestens nach den diversen Vertrauensbrüchen, die dieser Mensch begangen hat, kapieren müssen, dass hier was grundsätzlich schief läuft. Ich hab’s nicht geschnallt oder wollte es nicht schnallen. Wie ein dösiger Dodo hab‘ ich ihr weiter alles mögliche anvertraut. Ich bin mir sehr sicher, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts davon unter uns geblieben ist. Garniert mit Spitzfindigkeiten, Unwahrheiten und Abwertungen. So wie sie es mit allen macht. Auch ich habe eine Menge über andere Kollegen von ihr erfahren. Es tut mir heute leid, dass ich den ein oder anderen nicht gewarnt habe. Ich war zu beschäftigt mit mir selbst.

Und diese Person erzählt MIR, dass sie neidisch auf MEIN Glück ist. Im Grunde zum Totlachen. Wenigstens ist das ehrlich. Dass überhaupt jemand auf MICH neidisch sein könnte, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen. Guckt mich doch mal an.

Aber klar, in ihrer Wahrnehmung bin ich jemand, dem alles „zufliegt“, was sie so gerne hätte: Liebe. Geborgenheit. Glück. Und sie versteht nicht mal, warum das bei ihr alles nicht so läuft – so wie alle Neider, Hater und andere unzufriedenen Geister …

Die Probleme, das Leid, die Qualen der anderen sieht keiner von ihnen. WILL keiner sehen.

Diese Menschen kann ich nicht ändern, das weiß ich wohl. Aber es ärgert mich, dass ich nicht besser auf mich aufpassen kann. Diese Menschen beweisen nicht nur mir oft genug, dass die Worte liebensWERT und liebensWÜRDIG nicht von ungefähr kommen. Und trotzdem renne ich ins offene Messer. Immer und immer wieder. Scheiße auf eigene Grenzen, lasse alles in mir niederknüppeln ohne Widerworte.
Dafür hasse ich mich manchmal. Denn das ist nicht gut. Nicht gesund. Das muss ich noch lernen. Blöd, dass das so schwierig ist, wenn die Angst vor Konflikt und Kontrollverlust dich 24/7 im Schwitzkasten hat. So ist das mit dem Trauma-Scheiß … :-/

Trauma und Grenzen

Über die Schwierigkeiten des „Grenzen ziehens“ in Verbindung mit Trauma berichtet die Traumatherapeutin Dami Charf ausführlich und sehr plastisch in ihrem Video-Blog:

 

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