Meine Erfahrung mit Tension & Trauma Releasing Exercises – TRE

TRE habe ich in einer psychotherapeutischen Sitzung kennengelernt. Damals war es nur ein Versuch – wir wollten schauen, ob es mir irgendwie helfen kann. Heute ist es ein wichtiger Rettungsanker in vermeintlich aussichtslosen Situationen für mich geworden.

Nach einer kurzen Erklärung der Grundideen und anatomischen Zusammenhänge konnte ich im Gruppenraum meines Therapeuten loslegen. Etwas skeptisch machte ich die Übungen, so gut sie mir mit meinen kaputten Bandscheiben möglich waren. Zu Anfang spürte ich nur ein leichtes Vibrieren in der Bauchregion. Das sei vollkommen in Ordnung.

Zu Hause übte ich nun täglich 15-20 Minuten. Nach und nach konnte ich den Körper machen lassen – ihn die Kontrolle übernehmen lassen. Ein großer Schritt für mich – hatte ich doch bisher wenig Vertrauen zu diesem funktionsgestörten Etwas, in dem ich mich mehr gefangen als geborgen fühlte.

Nach ein paar Übungseinheiten hatte ich meine Liegeposition mit Isomatte, Decke und Kissen optimiert. Nach der Anspannungsphase, in dem die Muskeln zum zittern gebracht werden, lag ich zuckend am Boden und ließ alles geschehen. Nach und nach konnte ich das Loslassen genießen und Vertrauen in diese merkwürdige Art der Körperreaktion aufbauen. Dabei konnte ich die Intensität der „Entladungen“ durch kleine Veränderungen der Bein- und Fußstellung variieren. Es tut einfach gut.

Ich beende die Übung immer, indem ich mich seitlich zusammenrolle und mich unter eine Decke ins Bett kuschle. Aus der tiefen Entspannung heraus, wird durch die Zitterübung manchmal in mir etwas regelrecht losgerüttelt – gerne kommen dann auch mal verdrängte Emotionen hoch, die ich dann bewusst erleben kann, weil sie nicht mehr so überwältigend sind. So konnte ich nach der ersten richtigen Zittereinheit zum Beispiel Trauer über den Tod meiner Omma wahrnehmen. Diese Trauer hatte ich in den Jahren nach ihrem Tod immer verdrängt und nie richtig rauskommen lassen. Genau so wie die Trauer über die Fehlgeburt und den Verlust meines Häuschens und der damit verbundenen Träume. So ist TRE für mich auch ein Weg geworden, überhaupt unterschiedliche Emotionen kennenzulernen. Das ist eine spannende, aber sehr anstrengende Reise, bei der ich jetzt noch nicht weiß, ob ich am Anfang, mitten drin oder schon bald am Ende sein werden.

Zittern hilft

Ich habe das Glück, dass sich der „Zittermodus“ mittlerweile in extrem verkrampften Angst- und Paniksituationen von alleine einstellt. Ich brauche die vorangestellten Übungen selten, um den Körper die Selbstregulation übernehmen zu lassen. Das tut gut und führt dazu, dass ich in diesen Situationen meinen Körper als eine Art Partner (nicht mehr als Feind) wahrnehmen kann.

Es ist allein schon eine enorme Hilfe, in belastenden Situationen das Zittern des Körpers oder auch nur der Hände nicht – wie früher – als etwas Gefährliches zu sehen und unterdrücken zu wollen. So wirkt es nicht nur direkt auf die angespannten Muskeln, sondern auch mental als Rückversicherung, dass mein Körper „richtig funktioniert“ – auch und gerade in Notsituationen.

Fazit

Nicht mehr wegzudenken. Ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass mir (und meiner Familie) das Zittern schon viele Male eine Einlieferung in die Klinik erspart hat.

Für die ersten Versuche empfehle ich dringend einen fachkundigen Therapeuten aufzusuchen, der auch die erstem Phasen nach der Übung begleiten kann. Später kommt man gut alleine klar oder kann sich von einer Vertrauensperson begleiten lassen.

Homepage TRE-Deutschland: https://www.tre-deutschland.de/index.php

Videos

  • TRE bei Traumapatienten (so kann’s auch aussehen)
    „Army Veteran explains how TRE helps him recover from combat stress“: https://youtu.be/NbbaFTTvxU0