Meine Erfahrung mit Targin

Targin ist ein starkes Kombinationspräparat aus Oxycodon und Naloxon, das mir am Tag meiner Mandeloperation 2012 als Schmerzmittel verabreicht wurde. Da ich Narkosen bis dahin immer recht gut vertragen hatte (zumindest ohne große Übelkeit), habe ich das Targin schwer als Verursacher folgender dramatischer Ereignisse im Verdacht:

Die schlimmsten bzw. gefährlichsten Komplikationen bei bzw. nach einer Mandel-OP seien Nachblutungen, sagte man mir damals. Darauf müsse gut geachtet und bei Verdacht sofort reagiert werden. So sensibilisiert schlief ich vertrauensselig ein. In der Nacht wachte ich plötzlich mit unglaublicher Übelkeit auf. Eruptionsartig bahnte sich mein Mageninhalt unter unfassbaren Schmerzen den Weg durch meinen frisch operierten Hals. „Das war’s“, dachte ich nur noch. In Todesangst fischte ich im Dunkeln zum Notrufknopf, dessen Verkabelung ich soeben mit einer schleimigen Masse aus metallisch schmeckenden Puddingsuppenresten vollgekotzt hatte.

Als ich die Schwester herangaloppieren hörte – sie war innerhalb von Sekunden da – war ich innerlich auf ein Blutbad eingestellt als sie den Lichtschalter betätigte. Ich stellte mir vor (sollte ich überhaupt eine Überlebenschance haben), zukünftig mit einer Hals-/Mund-Beatmungsvorrichtung wie der geschätzte Lord Vader rumlaufen zu müssen.

Ich hatte es zwischenzeitlich geschafft, die Beine über die Bettkante zu hängen und saß vornübergebeugt, wimmernd und fast ohnmächtig vor Schmerzen auf dem Bett.
Ohne Panik, aber mit routinierter Zügigkeit rupfte die Schwester eine dieser eierkartonartigen, nierenförmigen Brechschalen aus dem Schrank, legte sie neben mich und redete mir gut zu. Zeitgleich telefonierte sie nach dem diensthabenden Arzt.
Auch den konnte ich heransprinten hören. Da sprintende Ärzte immer ein Indikator dafür sind, dass irgendwo Leib und Leben in Gefahr sind, dachte ich „au Backe“, obwohl „au Hals“, semantisch richtiger gewesen wäre. Vorsichtig versuchte ich, mir einen Überblick über das Ausmaß der Katastrophe zu verschaffen: Ja, es war Blut überall, aber nicht so viel, wie ich befürchtet hatte. Mein Hals tat so
unmenschlich weh, dass ich nur noch hmmmmhmmmmmhmmmm machte und mich mit dem Oberkörper vor und zurück wog. Bei ungefähr jedem dritten Mal Nachvornebeugen, spuckte ich wieder etwas Blut.

Der Doktor sah sich die Bescherung mit seiner Taschenlampe an und gab kurz darauf vorläufige Entwarnung. Glück gehabt!

Nach neuerlicher intravenöser Gabe eines anderen Schmerzmittels (ich glaube es war Diclofenac) kam ich langsam wieder im Leben an. Die Schwester brachte neues Bettzeug und half mir, mich umzuziehen.
Es kam mir wie ein Wunder vor, dass ich diesen Brechvorfall überlebt hatte. Getreu nach dem Motto: Jedes Unglück hat auch etwas Gutes, war die Angst vor einer Nachblutung wie weggeblasen (ich hätt‘ fast gesagt: wechgegöbelt).  Wenn die Nähte im Hals DAS überstehen, dann überstehen sie alles …

Aber Targin nehm‘ ich seit dem nicht mehr 😉

Wichtig: Dies sind meine persönlichen Erfahrungen. Ich gebe hiermit keine Empfehlung oder sonst einen medizinischen Rat.