Kategorie: MyStory (Page 1 of 8)

076 // Kranke Kommunikation

Krankheit ist ein guter Lehrer, ja, aber sie kann auch Störer und Weltverdreher sein, denn Krankheit wirkt sich auf alle Lebensbereiche und alle menschlichen Interaktionsfelder aus.

Wie meine Krankheit beispielsweise auf die Kommunikationsfähigkeit einwirkt, zeigt eine kleine Situation, bei der ich mich neulich fragte, wie schlimm es mit mir noch werden wird …

Auf der Seite einer Physiotherapie-Praxis lese ich (auf dem Handybildschirm) „Physiotherapie –
Offene Stellen“

Als jung dynamischer zweckentfremdeter Lohnarbeiter, der ich einst war, hätte ich hierbei natürlich sofort an die nächste Stufe der Karriereleiter gedacht.

Aber als (dazu noch leicht autistisch veranlagte) Kranke assoziiere ich spontan stattdessen: …

Na? Was?

Richtig: Wunden, Geschwüre und grausliche Dekubitus-Fälle.

Dazu fällt mir dann nur noch eins ein:

(Quelle Titelbild: movida-physiotherapie.de)

074 // I love sarah – Kleinanzeige die 2. …

Irgendwie hatte mich sarahs Schicksal von neulich nicht losgelassen und nach einer fast schlaflosen Nacht (nicht wegen ihr, aber wegen einer ähnlich willkommenen „Freundin“ namens Fibromyalgie) stellte ich eine weitere Anzeige in dem Kleinanzeigen-Portal mit dem entsprechenden Bild* ein:

„Liebe Kleinanzeigen-Leser.
Auf meine letzte Anzeige in der Rubrik „zu verschenken“, in der ich nach alten / defekten Woks suche (gerne geschenkt), erhielt ich eine Antwort von einem Nutzer namens sarah.
sarah schrieb: „Schmarotzer“

Ich habe sarah daraufhin einen ganzen Blogeintrag auf meiner Seite myyzilla . de gewidmet (Titel: „073 // Leute gibts …“)

Jetzt suche ich noch mehr Liebe und Aufmerksamkeit für sarah. Es scheint ein großer Mangel hieran bei ihr (oder ihm?) zu bestehen.

Natürlich zahle ich als Schmarotzer nichts dafür, aber vielleicht können wir alle zusammen mit unseren liebevollen (kostenlosen) Gedanken sarahs Herz irgendwie erwärmen und dafür sorgen, dass sarah sich wieder besser fühlt.
Da sie leider ansonsten anonym blieb, müsste es irgendwie „feinstofflich“ gelingen, aber der Glaube an die gute Sache versetzt ja bekanntlich Berge. 😉

Wer auch Liebe und Aufmerksamkeit braucht, kann sich gerne ebenfalls melden. Vielleicht gibt es auch noch originellere und zeitgemäßere Beschimpfungen, die euch einfallen? Die besten veröffentliche ich natürlich ebenfalls auf meinem Blog. ;-)“

Nach ein paar Stunden konnte ich bereits über 200 Aufrufe verzeichnen und bekam viele Nachrichten und Likes.

Nur sarah schwieg bisher. Mag vielleicht daran liegen, dass ich sie direkt nach ihrem kleinen „Fauxpass“ beim Anbieter als Spam gemeldet habe. Natürlich ohne vorher auf sie direkt zu reagieren. 🙂 Das macht man ja nicht. Das wäre dann doch zu viel Futter für einen Troll.

Viel lieber berichte ich von dem wirklich tollen, positiven Feedback, das ich erhalten habe:

Zum Beispiel von Kati: Sie wurde kürzlich offenbar auch von einer sarah dämlich angeschrieben, nachdem sie einige gut erhaltene Kuscheltiere anbot und lediglich einen kleinen Obolus in Form einer Tüte Kaffepads o.ä. dafür erbat. (Was fällt ihr auch ein?! ;-))

Oder Andreas: Er schrieb von Denise, die ihn als Katzenvermehrer beschimpfte, weil er Katzenbabys nicht zum Spottpreis abgeben wollte, um sie vor fragwürdiger „Weiterverwendung“ zu schützen.

Und Ronny, der zusicherte, ein bis zwei Minuten seiner Zeit zu investieren, um an sahra zu denken. Er mutmaßte:

„da steckt ein armer Mensch hinter, der leider noch nicht kennengelernt hat, was es heißt, was für andere Menschen zu tun“.

Wie schon persönlich geschehen, danke ich ihm auch hier nochmal für seine Unterstützung, denn ich finde, in diesem speziellen Fall zählt jede Minute! 🙂

CH. schrieb:

„Diese Person „Sarah “ hat wirklich nichts besseres zu tun als Leute wegen ihrer Suchanzeigen zu beschimpfen, Bedauerlich !!!!“

Ramazan zeigte sich ebenfalls empathisch:

„Scheiß einfach auf solche Menschen, die den Sinn deiner Anzeige nicht verstanden haben!!!!!LG“,

schrieb er.

Ich antwortete ihm:

„[…] Du hast einerseits Recht, wenn du sagst „scheiß drauf“. An ihr als Person bin ich auch überhaupt nicht interessiert und sie selbst wird von mir auch keinerlei persönliche Reaktion erhalten.
Aber ich meine das schon ernst, dass bei solchen Menschen einfach viel Liebe und Aufmerksamkeit fehlte, so dass sie weder Mitgefühl noch Empathie entwickeln konnten.
Dafür ist nicht nur sie selbst, sondern auch andere mitverantwortlich.
Dazu noch ein bisschen Neid und eigener sozialer Misserfolg und schon haben wir den Salat (wie man leider an jeder Ecke in dieser Welt sehen kann).
Dieser Gesinnung und hasserfüllten Trollerei möchte ich etwas entgegensetzen.

Irgendwas – und wenn es „nur“ Liebe ist ;-)“

Ich hoffe sehr, es hilft … 😉

—— update 14.4.: ——

Aaaah, endlich mal eine zünftige Beleidigung! 🙂

Viola schreibt:
„Du bist die jenige die hier aufmerksamkeit sucht, spast“

——
Wow.

Also „spast“ finde ich auf jeden Fall schonmal zeitgemäßer als „Schmarotzer“ – dafür Daumen hoch … und neun Wörter sind ja schon eine richtig persönliche Nachricht … Toll! 🙂 Die fünf Fehler will ich mal nicht überbewerten, der gute Wille zählt. Weiter so! 🙂

Beeindruckend, dass sar… äh Viola auch schon erkannt hat, warum man mit seinen Geschichten und Erlebnissen in die Öffentlichkeit geht. Also dumm ist sie nicht … Respekt! 😉

 

 

 

 

_ _ _

* (Bild: Pixabay)

073 // Leute gibt’s …

Jetzt schreib‘ ich mir in diesem Blog seit über einem Jahr die Finger wund und habe nicht einen einzigen ernsthaften Hater damit hinter’m Ofen vorgelockt.

Bis auf ein paar Spam-Kommentare, die sexuelle Onlinedienstleistungen offerieren, nahm bisher niemand mein Geschreibsel zum Anlass, sich irgendwie unqualifiziert zu äußern – im Gegenteil, bisher erreichte mich nur positives Feedback. (Mal abgesehen von meinen Gönnern aus dem Kopfschmerz-Forum …)

Insgeheim wünschte ich damals schon, dass es mal richtig rund geht hier, um meine Konfliktfähigkeit zu trainieren und es mit Trollen jeder Art aufzunehmen und sie in Grund und Boden zu ignorieren.

Wer kann ahnen, dass es mir nun mit einer einzigen kleinen Anzeige auf einem bekannten Online-Kleinanzeigen-Portal endlich gelungen ist, offenbar die Königin (zumindest aber laut hebräischer Namensetymologie Prinzessin, Fürstin oder Herrin) der Hater zu erwischen:

sarah

sarah antwortete auf meine Anzeige, in der ich (alte, defekte, verbeulte, qualitativ unbrauchbare) Woks für mein nächstes Bastelprojekt suche (die ich gerne kostenlos nehme, aber auch Preisvorstellungen erfrage) folgendermaßen:

„Schmarotzer“,

schreibt sarah.

Nichts weiter.

Fast hätte ich ihre kurze Nachricht zwischen all dem systemseitig gedruckten Drumherum gar nicht gesehen, doch dann kapierte ich, dass dies wirklich und wahrhaftig sarahs Reaktion auf meine Anzeige ist, die ich (naiver- und aufrichtigerweise) unter der Rubrik „zu verschenken“ eingestellt hatte.

Zugegeben: Der erste Reflex meinerseits war, ihr zu anworten und sie zu fragen, was (the fucking fuck) mit ihr nicht stimmt.

Aber ich besann mich kurz darauf und verlor mich in meinen Gedanken …

Ich stellte mir sarahs Leben vor:

sarah wurde von den Männern, ihren Kindern, ihren Eltern, ihren Lehrern, Mitschülern, ihrem Vermieter, dem Hausmeister ihres Vermieters, ihren Frisörinnen, Nagelstylistinnen, Pizzaboten, Arbeitgebern, Lieferanten des Arbeitgebers und weiß der Geier von wem noch alles schwer enttäuscht – immer wieder. Immer zahlte sarah drauf, niemals wurde ihr etwas geschenkt – keine Beachtung, kein liebes Wort, kein Geld und vor allem: keine Liebe.

Nun sitzt sarah einsam und alleine abends vor’m PC oder mit ihrem Handy irgendwo auf einer vermutlich bundesdeutschen Couch und liest Online-Kleinanzeigen. OK, passiert mir ja auch manchmal, aber sarah ist schlauer. Anstatt einfach nur ziellos durch die Rubriken und Anzeigen zu surfen, legt sich sarah siegessicher auf die Lauer: Alle fünf Minuten aktualisiert sie die „zu verschenken“-Seite, um kein Unbill zu verpassen.

Denn sarah kennt sie alle, die miesen Tricks der Schurken, Halunken, Betrüger, Tagediebe, Tunichtgute, Leichenfledderer und eben Schmarotzer, die immer nur nehmen, nehmen, nehmen. Die sich am Hab und Gut hilf- und ahnungsloser Bürger vergehen und sich auf die mühsam vom Munde abgesparten Konsumgüter der (arbeitenden oder arbeitsuchenden) Gesellschaft stürzen wie die Aasgeier. Ohne jede Gegenleistung. Ohne Skrupel. Ohne Moral.

Aber nicht mit sarah! sarah zieht klare Kante! sarah räumt auf! sarah zeigt es allen, die sich an den Leistungsträgern dieser Nation versündigen, indem sie dreist und skrupellos etwas erbetteln, was ihnen nicht zusteht. sarah sagt den Schmarotzern dieser Welt Bescheid. Grade heraus und unerschrocken. Ehrlich und anonym … ups … jedenfalls unerschrocken und ehrlich!

Ich bin tief beeindruckt.

„sarah! sarah! sarah!“, rufe ich hinaus in die Welt.

@sarah: Du ist ganz toll. Ich schicke dir so viel Liebe, wie du nur essen kannst und all meine Freunde tun es mir gleich. Du kannst jetzt also etwas Sinnvolles mit deiner Zeit anfangen. Geh‘ doch abends mal baden – oder iss‘ ein Eis.

Vielleicht schaust du auch noch mal in deine Schränke. Vielleicht hast du doch noch einen alten, verbeulten Wok, den du mir kostenlos zur Verfügung stellen möchtest. Ich hol‘ ihn gerne persönlich ab, dann kannst du auch ganz persönlich danke sagen, für die ganze Aufmerksamkeit, die dir heute hier zuteil geworden ist. Du kannst stolz auf dich sein, denn wer hat schon die Gabe, mit nur einem einzigen Wort einen ganzen Blogeintrag heraufzubeschwören … 😉

Heil sarah!

072 // Nur für Ärzte: 13 Tipps, wie Sie es schaffen, dass auch chronisch Kranke nicht mehr zum Arzt gehen

Zynismus ist manchmal der einzige Weg, den ich noch gehen kann, um mir mein Leben schön zu denken. Dann schleppe ich mich durch ein Seelental nach dem anderen, um mich irgendwann auf einem halbschattigen Hügelchen wiederzufinden, an dem es schöner ist und ich versöhnlich lächelnd auf die Täler zurückblicken kann. Hier kann ich meine Wunden lecken und das Lehrreiche an der Seelental-Lektion resümieren.

In meinen Tälern gibt es aber nicht nur für mich selbst viel Lehrreiches zu entdecken. Ich gebe gerne – das war schon immer so. Vor allem gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen gerne an Bedürftige weiter …

… diesmal: Ärzte. 🙂

13 Tipps, wie Sie es schaffen, dass auch ein chronisch kranker Mensch nicht mehr zum Arzt geht:

  1. Zwingen Sie einem Säugling mit Gewalt Ihre Behandlung auf. Fügen Sie ihm Schmerzen zu, bis er sich existenziell bedroht fühlt. Loben Sie hernach seinen willensstarken Kampf gegen die Behandlung (= Bedrohung). Bestärken Sie die Mutter darin, das Kind schreien zu lassen – egal, was ist.
  2. Reißen Sie einer verängstigten, schwangeren Patientin die Brille von der Nase, weil diese aus Angst und Verunsicherung nicht schnell genug auf ihre Chiro-Pritsche hüpfen kann (die fette Kuh). Vergessen Sie nicht, ihr dabei ein paar Haare auszureißen. Ignorieren Sie die Tatsache, dass die Patientin in der Nacht nach dieser Behandlung eine Fehlgeburt erleidet.
  3. Behandeln Sie einen Patienten, der Sie wegen eines Mandelabszesses aufgesucht hat, in jedem Falle auch mit Blutdrucksenkern. Lassen Sie ihre Sprechstundenhilfe das Rezept an der Anmeldetheke für ihn bereithalten, ohne mit dem Patienten persönlich darüber gesprochen zu haben.
  4. Verordnen Sie einem Patienten, den Sie mit Blutdrucksenkern behandeln und der Sie wegen mehrfach gemessenen sehr niedrigen Blutdruckwerte und damit verbundenem Schwindel und Unwohlsein aufsucht, noch mehr Blutdrucksenker, weil er während einer Panikattacke in Ihrer Praxis 160/95 abliefert. Weisen Sie beharrlich darauf hin, dass er zu dick ist und rechnen Sie für diesen Termin noch ein Hautscreening ab, bei dem Sie ein Hämangiom diagnostizieren (natürlich, ohne diese Leistung erbracht zu haben und ohne irgendeine Hautveränderung beobachtet zu haben.)
  5. Diagnostizieren Sie in jedem Fall psychosomatische oder Wechseljahresbeschwerden ohne irgendetwas untersucht zu haben. Weisen Sie jedoch stets und ausschließlich auf das Übergewicht des Patienten als Lösung aller gesundheitlichen Probleme hin. Ignorieren Sie, dass trotz erheblicher Gewichtsabnahme alle Probleme weiterhin bestehen. Ignorieren Sie auch ödemische Veränderungen.
  6. Schnauzen Sie einen Patienten, der mit dem Rettungswagen mit krisenhaft erhöhtem Blutdruck, Sprachstörungen, Lähmungen, Sichtfeldausfällen, Schwindel und Ohrgeräuschen in Ihrer Notaufnahme ankommt an, er solle gefälligst mal normal mit Ihnen sprechen. Empfehlen Sie im Entlassungsbericht die Weiterbehandlung durch den Psychiater (nicht Neurologen), ohne die neurologischen Ausfälle zu erwähnen oder abgeklärt zu haben.
  7. Sagen Sie einem Patienten, der sein Leben lang sämtliche Krankheiten ignoriert hat und mit Bronchitis, Gallenkoliken, Gürtelrose und chronischer Mandelentzündung, Migräne und Fieber immer zur Arbeit gegangen ist bis zum Umfallen und nach 2 Bandscheibenvorfällen in der HWS in einer von ihm selbst initiierten Wiedereingliederung mit fieberhafter Bronchitis, Gastritis und Migräne für 2-3 Tage aussetzen möchte: „Sie müssen mal in die Gänge kommen mit Ihrer Arbeit. Sie sind doch noch so jung.“
  8. Verordnen Sie einem Angst-Patienten mit diversen Medikamentenunverträglichkeiten neuerlich ein Antidepressivum ohne ihn vorher über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt zu haben. Schreiben Sie in die Patientenakte, die Verordnung sei nach umfassender Aufklärung erfolgt. Schleichen Sie das Medikament nicht ein. Lassen Sie den Patienten am Freitag direkt 20 mg Zieldosis beim ersten Versuch einnehmen.
  9. Wenn der Patient nach der Einnahme des o.g. Medikamentes mit extremen, teils paradoxen Nebenwirkungen reagiert, am Wochenende mit einem Anfall mit diversen neurologischen Ausfällen bis dato unklarer Ursache in der Notaufnahme landet, und seitdem schwerste Durchfälle hat, ignorieren Sie ihn und seinen erbärmlichen Zustand am darauffolgenden Montag und schicken Sie ihn zum Hausarzt, weil Sie sonst den Krankenkassen-Gesundschreib-Bonus des Programms „Schmerzfrei leben“ nicht bekommen.
  10. Wenn ein Patient mit einem Rollator zu ihnen in die Praxis kommt und stolz ist, weil er es damit geschafft hat, alleine Ihre Praxis zu erreichen (anstatt weiter bettlägrig zu hause zu bleiben oder sich von jemandem fahren zu lassen). Lachen Sie ihn deswegen aus und machen Sie ein paar abfällige Bemerkungen über sein Engagement und seine Beschwerden.
  11. Wenn ein Patient mit chronischer Migräne an 17-18 Tagen im Monat Migräne (in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen) hat und sich darüber freut, weil es schon mal mehr waren, sagen Sie süffisant: „Na, dann haben wir ja Glück, dass Sie heute mal keine Migräne haben“ und: „Wenn Sie gestern Migräne hatten, wären Sie doch heute nicht hier.“ Ignorieren Sie im weiteren Verlauf des Gesprächs eine Dissoziation des Patienten. Machen Sie sich keine Gedanken, darüber, warum er Sie in dieser Situation sogar duzt (Intrusion wird generell überbewertet).
  12. Ignorieren Sie Briefe und verweigern Sie die Annahme von Einschreiben des Patienten, der Ihnen darin über seine Betroffenheit und die Konsequenzen durch die Situation in der Behandlung berichtet.
  13. Das Wichtigste: Fühlen Sie sich niemals verantwortlich für die physische oder gar psychische Gesundheit Ihrer Patienten.

Dies sind nur einige Beispiele, wie Sie es schaffen, die lästigen Kranken loszuwerden. Seien Sie kreativ. Finden Sie Ihren eigenen Weg zu zeigen, wie wenig Ihnen wirklich an den Menschen liegt, die tagtäglich Ihre Hilfe suchen und damit Ihre Existenz sichern.

071 // Insta-Challenge #ichundmeinepsyche

Seit gestern gibt es auf Instagram eine tolle Aktion, die von der Userin freudmich ins Leben gerufen wurde. Eine Insta-Challenge, die an fünf aufeinander folgenden Montagen auf das Leben mit psychischen Erkrankungen aufmerksam machen und Stigmatisierung entgegen wirken soll.

Sie schreibt:

„ 17,8 Millionen Deutsche erkranken jährlich an einer psychischen Störung. Ob selbst betroffen, Freunde, Arbeitskollegen oder Familie: Wir sind alle entweder direkt oder indirekt damit konfrontiert.
Am Tag eins wollen wir darauf aufmerksam machen, dass psychische Störungen keine Seltenheit sind. Machste mit? ☺️ Poste dazu ein Bild mit der Zahl (17,8 Mio) und verwende den Hashtag #ichundmeinepsyche “
Quelle: instagram.com/freudmich

Ich habe natürlich mitgemacht – Ehrensache 😉

Gerade, weil ich weiß, wie schwer es fällt, die Fassade fallenzulassen. Es gibt noch so viele Vorurteile und Stigmatisierungen, die mit einer F-Diagnose gratis frei Haus geliefert werden, dass sich einem der Magen umdreht. (Das nennt man dann „psychosomatische Beschwerden“ ;-))

Vor ein paar Tagen noch, sprach ich mit einem Mann, der offensichtlich seit Jahren an Depressionen und allerlei somatisiertem Unbill leidet, sich dies aber niemals eingestehen würde, weil er unter anderem Angst hat, mit einer solchen Diagnose im Alter schneller entmündigt werden zu können.

Muss man mal kurz einwirken lassen …

Mich machen solche Aussagen sprachlos. Sie zeigen aber, das wir was tun MÜSSEN.

WIR, die wir uns äußern und zu Wort melden können, müssen aus’m Quark kommen und ins Licht der Öffentlichkeit treten, um zu zeigen, dass wir keine Aliens mit sieben Nasen und acht Ohren sind (dies schrieb ich auch so ähnlich einer Instagrammerin, die sich nach langem Überlegen doch dazu durchgerungen hat, ihr – wirklich hübsches – Gesicht zu zeigen).

Natürlich gibt es unter den psychisch Kranken auch Extremfälle oder Menschen, die mit Hirnanomalien auf die Welt gekommen sind, die sie daran hindern, sich „normal“ zu entwickeln. Auch gefährliche „Verrückte“ sind unterwegs – keine Frage.

In den allermeisten Fällen (das ist meine feste Überzeugung und Zahlen suche ich später noch) sind es aber nicht die Hirnkranken (zu denen ich mich aufgrund der Migräne genau genommen auch zählen müsste) oder die Psychopathen, die wir in den Statistiken der psychischen Krankheiten sehen, sondern es sind die ehemals „normalen“, liebenswerten kleinen Menschen, die man in die Welt gesetzt hat, ohne sie zu fragen, ob sie das unter den ihnen gegebenen Umständen überhaupt wollen.

Die sogenannte „Umwelt“, Menschen, denen wir unser Leben anvertrauen mussten, Menschen, die wir geliebt haben, Menschen, die uns enttäuscht, gequält und missbraucht haben, Menschen, die unsere Hilferufe ignoriert haben, Menschen, die uns als zu schwach aussortieren, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind: psychisch krank.

Auslöffeln können wir die Suppe in der Regel alleine.

Die meisten von uns schaffen das auch. Aber viele eben nicht. Psychische Erkrankungen enden oft tödlich, das sollte jedem klar sein. Nicht nur die Selbstmörder gehören zu den Opfern, auch ein großer Teil der Herz- / Kreislauf- und Krebstoten könnte noch leben, wenn ihre Psyche sie nicht noch zusätzlich geschwächt hätte – davon bin ich überzeugt (ohne belastbares Zahlenmaterial parat zu haben).

Hier jedenfalls mein Beitrag an Challenge-Tag 1:

„ Tolle Idee von @freudmich -
Ich mache mit! Für Aufklärung und Entstigmatisierung halte ich meine Rübe gerne ins Licht ... 😉 🙂 Das muss sein, denn WIR müssen uns nicht verstecken. WIR sind nicht Schuld an dem, wie es uns geht. WIR haben uns unsere Situation nicht ausgesucht, aber WIR müssen damit leben. Leider werden WIR immer mehr. Mal sehen, wie viele WIR noch werden müssen, bis auch der letzte verstanden hat, dass eine psychische Krankheit kein Zeichen von Schwäche ist. Ein Leben mit psychischer Erkrankung ist nichts für Weicheier: Es ist Kraftsport, Drahtseilakt, Marathon laufen, Jonglieren, Jagen, Angeln, Balancieren und: mit den Monstern kämpfen.
Jeden Tag. Jede Nacht.“

070 // Schützt der Placeboeffekt vor unerwünschten Nebenwirkungen?

Und wieder fühle ich mich an meinen Besuch in der Facharztpraxis von Frau Dr. Jekyll-Hyde erinnert. Dort bekam ich zu hören, dass es nicht möglich sei, erst so spät (Wochen nach Ersteinnahme) Nebenwirkungen von dem Epilepsiemittel Gabapentin zu entwickeln. Sie meinte, das sei, weil es geholfen hat.

Dies sei nicht nur bei mir der Fall, sondern auch bei einer Patientin, von der ich ihr berichtet hatte (die sie nicht kennt), bei der sich die Situation ähnlich abspielte. Das sei das gleiche Konstrukt, weil man ja nicht wüsste, was man ohne die Krankheit machen solle, die ja von der ganzen Familie zu hause als einziger Lebensinhalt „gepflegt“ würde – so ihre (Fach-?)Meinung.

Dass da irgendwas nicht stimmt, hatte ich ja schon erörtert. Dennoch komme ich als extrem (vor allem selbst-)kritischer Mensch nicht umhin, über solche möglichen Zusammenhänge zu reflektieren, was sich in meinen Blogeinträgen zum Krankheitsgewinn niedergeschlagen hat.

Mithin entwickelte ich eine ganz andere Theorie, in der ich mich durch einen aktuellen Artikel im „Spektrum der Wissenschaft“ zum Thema Placebos, bestätigt sehe:

Ich vermute, dass die immense Hoffnung auf Heilung, die ich bei der ersten Einnahme des Medikaments hatte, dazu geführt hat, dass ich alle Nebenwirkungen ausblendete – bzw. auf diese Weise tatsächlich zunächst gar keine entstanden sind.

Ich wünschte mir so sehr, dass mir dieses Zeug hilft, dass ich dafür sogar meine Angst vor Medikamenten dieser Art (kurz) überwunden hatte.

Nach und nach ließ dann dieser Placebo-“Schutz“-Effekt (wie ich das mal nennen will) nach und es kam zu den geschilderten Nebenwirkungen wie Weggetreten- und Verwirrtsein, plötzlichem Hinfallen, zusätzlichen unnötigen Bewegungen und Stimmen hören.

In dem Artikel wird nun genau diese Annahme wissenschaftlich fundiert gestützt:

Wissenschaftler fanden heraus, dass der Placeboeffekt nicht nur ein eingebildeter ist, sondern messbar in der Hirnaktivität stattfindet. Er ist umso größer, je mehr Hoffnung der Patient in die Behandlung setzt und je positiver das Medikament seitens des als kompetent empfundenen Behandlers angepriesen wird. Dies ist besonders gut für Schmerzen erforscht.

Doch auch bei den motorischen Fähigkeiten von Parkinsonpatienten zeigte sich:

„Ihre motorischen Fertigkeiten erholten sich teils deutlich. [Die Wissenschaftler] registrierten zudem per Positronenemissionstomografie (PET) einen Dopaminschub in den Basalganglien, die für die Bewegungssteuerung unerlässlich sind.“

Weiter fand man heraus,

„dass die Dopaminaktivität am ehesten steigt, wenn die Parkinsonpatienten auf eine Verbesserung der Symptome hoffen statt davon ausgehen.“

Beides traf auch auf mich und meine Situation in der Schmerzklinik in Kiel zu:

Eine riesige Hoffnung und absolut qualifiziertes, souveränes, zuversichtliches ärztliches Personal trafen aufeinander.

Dass das Medikament unter diesen Umständen zunächst wirkt, war somit extrem wahrscheinlich: 1. aufgrund seiner medizinisch wirksamen Bestandteile und 2. aufgrund eines zusätzlich auftretenden Placeboeffektes.

Denn – so meine Annahme – wenn aufgrund von placebobedingten Effekten Hirnaktivität zu Gunsten des Wohlbefindens ausgelöst werden kann, ist in diesem Zusammenhang die Unterdrückung unerwünschter Effekte genau so wahrscheinlich wie das Auftreten erwünschter Effekte.

So sind die verspätet einsetzenden Nebenwirkungen selbstverständlich plausibel zu erklären.

Wenn ich Forscher wäre, würde mich diese Idee zu weiteren Experimenten motivieren … 😉

Das bin ich aber nicht, deshalb tauchen bei mir auf diese durchaus versöhnliche Antwort hin (wie immer) nur neue Fragen auf:

Warum weiß eine Fachärztin nicht um solche Effekte, wenn sie doch jeder Depp einfach im Internet nachlesen kann? Was ist da los, dass einem Patienten mit so viel Argwohn, Desinteresse und menschlichem Ungeschick entgegengetreten wird? Was hat die Frau erlebt, dass sie ihre Patienten nicht mehr als Individuum sondern nur noch als wabernde Masse von Diagnosen und daraus zwangsläufig resultierenden „Lebensstilen und -einstellungen“ sehen mag? Was hat sie davon, so vorzugehen?

Antworten wird es wohl nicht geben.

Hier gibt’s aber den ganzen Artikel für euch zum Nachlesen 🙂 http://www.spektrum.de/news/wie-placebos-wirken/1537269

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PS: Ich habe kurz überlegt, der Ärztin diesen Artikel auch zu kopieren und per Post zuzusenden, da sie Post von mir aber offenbar ignoriert, wie ein Blick in die Patientenakte und in meinen eigenen Briefkasten zeigt, lasse ich das mal. „Perlen vor die Säue“ und so 😉 … und irgendwann muss ich auch mal aufhören, mich immer und immer wieder mit diesem Scheißerlebnis zu belasten.

Ich hoffe, es ist jetzt endlich mal gut …

069 // In der Höhle der Echse – myyzilla auf doccheck.de

Mit meiner Arztangst bin ich im letzten Jahr keinen Millimeter weiter gekommen. Im Gegenteil. Das Erlebnis mit Frau Dr. Jekyll-Hyde steckt mir noch so tief in allen Ebenen des Daseins, dass ich mich noch weiter zurückgezogen habe aus den schönen Arztpraxen dieses Landes.

Das ist aber nicht richtig und bringt mir nur noch mehr Scherereien und Druck. Ohne Ende Druck. Verdammt nochmal. 🙁

Mein Psychotherapeut therapiert sich langsam ’nen Wolf und ich habe ihm gegenüber schon ein schlechtes Gewissen. Andere (kassenfinanzierte) Traumatherapieplätze sind nicht in Sicht.

Es muss etwas passieren.

Den Januar, den ich überwiegend im Bett liegend verbringen musste, habe ich also genutzt, um neue, professionellere Herangehensweisen auszutüfteln. Ich besann mich auf meine Ressourcen, Stärken und den nicht versiegenden Quell toller Ideen, die Fury und den anderen den Tag vertreiben.

Irgendwann stieß ich beim Durchsehen meiner Erinnerungen an ein besseres Leben, auf ein Ereignis, das mir nun als Vorbild dienen soll:

So hatte ich seiner Zeit eine fast 20 Jahre bestehende, wirklich heftige Frosch- und Echsen-Phobie selbst therapiert, indem ich mir detaillierte Informationen über die  Methoden der Phobie-Therapie der Christoph-Dornier-Klinik (an die ich eher zufällig über die Uni gelangt war) reinzog und mit Unterstützung eines netten Arbeitskollegen (Reptilienfan), schrittweise die Bewältigung dieses Angst-Themas angehen konnte.

Die Frosch-/Echsen-Sache hört sich lustig an, war sie aber nicht. Es steigerte sich über die Jahre so weit, dass ich in jedem sich bewegenden Grasbüschel – selbst an Straßenlaternen – mich mit Haut und Haaren fressende Frösche befürchtete. Krass – ich weiß. Aber es gibt echt ’ne Menge schräger Phobien (z.B. die Angst vor der Zahl 4 = Tetraphobie), insofern befinde ich mich in bester Gesellschaft mit vielen anderen armen Kreaturen und gehe damit heute selbstbewusst um.
Achtung Spoiler: Ich kann’s mir heute ja auch leisten – hab’s geschafft! Und zwar besser als ich mir das erhofft hatte, wie ihr später im Text sehen werdet.

Bevor ich mich heilen konnte, waren bereits Bilder von Fröschen und Eidechsen schon schlimm für mich. Videos gingen gar nicht. Die Biologie-Stunde, in dem dieser unsägliche „Froschschenkelversuch nach Galvani“ gezeigt wurde, den viele sicher noch aus der Schulzeit kennen, ist mir noch heute als mein persönliches Armageddon in Erinnerung.

Wie hab‘ ich es also geschafft?

Antwort: Durch meinen Willen, den Verstand siegen zu lassen und dem Körper schrittweise einen chilligeren Umgang mit dem gemeinen Lurch anzutrainieren.

Initialzündung für meine Heilung war dabei ein logischer Zusammenhang, den mein Reptilien-Kollege damals äußerte:

In einem Gespräch wollte er wissen, was genau an den Tieren mir denn so eine Angst macht. „Was denkst Du denn, machen die mit Dir?“, fragte er.
Da ich den Kollegen auch menschlich mochte, traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich schlicht Angst hätte, dass die Scheißviecher mich anfallen und auffressen (ja, ich weiß – vollkommen irrational und wirsch. War aber so.).

Mein Kollege lachte mich nicht aus wie die meisten anderen, die davon hörten, sondern sagte ganz trocken: „Da brauchst Du keine Angst zu haben, Du entsprichst doch gar nicht deren Beuteschema.“

Ich so: „?!“
Er so: „Na, du hüpfst ja noch nicht mal.“
Ich wieder:“?“
Er:“Solange Du nicht aussiehst und dich bewegst, wie ein Insekt oder anderes Beutetier passiert Dir doch nichts.“

Eine bestechende Logik.

Ja, ihr lacht, aber das war die Grundlage dafür, dass ich mich ganz langsam über diese mentale Krücke („nicht hüpfen, dann passiert dir nichts“) mit den Tieren befassen konnte, ohne vor Angst fast in Ohnmacht zu fallen.

Es folgten Monate, in denen ich mich erst theoretisch mit den Fröschen und Echsen befasste (interessante Tiere sind das nämlich!). In einer nächsten Stufe schaute ich mir gemeinsam mit dem Kollegen Bilder seines (in einem frei im Wohnzimmer stehenden Fikus-Benjamini lebenden) Chamäleons (Name vergessen) und später seines Tokeh-Geckos „Lukas“ an.

Lukas war nicht ohne. Tokehs können beißen. Fies beißen. Sie schnappen zu und wollen dir das Fleisch rausreißen, indem sie ihren Kopf und schlimmstenfalls sich selbst um ihre eigene Achse drehen wie ein Krokodil (na, auch Angst? he he he ;-)). Aber selbst den konnte ich mir kurze Zeit später schon im Video angucken.

Den erfolgreichen Abschluss meiner Selbsttherapie feierte ich dann auf der griechischen Insel Kos. Mein damaliger Lebensgefährte und ich wohnten zu ebener Erde in einem Appartmenthotel. Die etwa 1000 Quadratmeter Schotter und Sand hinter dem Hotel, auf denen mittig eine alte große hölzerne Kabeltrommel lag, dienten mir als meine Therapiearena.

Der Hohlraum unter der Kabeltrommel war das Zuhause vieler kleiner Echsen. Mit dem Fernglas konnte ich das Treiben von der Terrasse aus beobachten. Urgs. Der Weg zum Strand führte in etwa 10 Meter Entfernung an der Trommel vorbei. Also musste ich all meinen Mut zusammennehmen, um zum Strand zu gelangen.

Ich war tatsächlich mutig genug. Mehr noch: Der Forscherdrang obsiegte!

So beobachtete ich die Tiere erst von weiter weg, dann ging ich langsam näher, bis die Angst auf Stufe 9/10 (am höchsten) war. Dort blieb ich stehen und wartete zitternd und weinend, bis sie runter ging (so macht man das in der Konfrontationstherapie). Dabei redete ich auf mich ein: „Jetzt nur nicht hüpfen, dann passiert dir nichts.“

Und was soll ich sagen: Ich bin nicht gehüpft – es ist mir nichts passiert.

Irgendwann war ich so nah dran, dass ich den kleinen grauen Echsen in die Augen schauen konnte und wenn sie nicht grade allzu plötzliche Bewegungen machten, konnte ich sogar mit einem Puls leicht unter 180 in ihrer Nähe sein. Am Ende des Urlaubs saß (!) ich unter meinem großen Hut stundenlang auf dem Schotterplatz und redete mit der Kabeltrommel – so sah das zumindest für die anderen Hotelgäste aus, vermute ich – aber das fiel mir erst später auf. 🙂

Viel wichtiger ist: Ich habe meine Angst dort besiegt und konnte am letzten Tag des Urlaubs sogar einen Ausflug zum Asklepieion, der antiken Heilstätte des Hippokrates, der auf der Insel geboren war, genießen. Auf den alten aufgeheizten Gemäuern wimmelt es natürlich nur so von Echsen. Aber auch die größeren konnte ich aushalten.

Ein neues Leben begann.

Mein Wissen und mein Interesse an den Tieren führte nun dazu, dass ich kurze Zeit später selber Gecko-Mutti wurde und eine etwas pummelige Phelsume namens „Dicke“ und einen Marmorgecko namens „Charlie“ (weil er aus Vietnam stammte :-)) im selbst gebauten Regenwald-Terrarium beherbergte.

Was für ein Happy End, hm? 🙂

So soll es jetzt auch mit den Ärzten klappen.

Eine Phobie muss nicht unbedingt durch ein Trauma entstanden sein, aber die Mechanismen sind doch recht ähnlich (rede ich mir ein). Ersetze also „Echse und Frosch“ durch „Arzt“ und schon sollte es doch gelingen, die Angst vor ihnen irgendwie in den Griff zu kriegen.

Ich muss mich nur gründlich über Ärzte informieren, ihren Lebensraum studieren, ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten kennenlernen, Kontakt aufnehmen, halten und irgendwann müsste ich ja dann auch mit den gefährlichen unter ihnen klarkommen – so mein Plan.

Was noch fehlt ist die mentale Krücke („nicht hüpfen, damit ich nicht ins Beuteschema passe“). Hier bin ich dankbar für alle Vorschläge. 😉

Bisher habe ich einige Informationen gesammelt, mir Studieninhalte, Gehaltsstatistiken und Juristisches angesehen. Nun will ich also einen Schritt weiter gehen: Ich nähere mich an. Setze mich sozusagen neben die Kabeltrommel des medizinischen Fachpersonals und nehme Sichtkontakt auf.

Da ich mit meinem Studium durchaus einschlägig qualifiziert bin und mittlerweile einige Gesundheitsthemen und medizinische Sachverhalte als freier Autor vertextet habe, gewährte man mir Zugriff auf das wirklich interessante Portal doccheck.de.

Dort habe ich mir ein Profil eingerichtet, das von den Mitgliedern der Plattform angesehen werden kann – einen Hinweis auf meine Seite habe ich natürlich auch eingestellt.

Jetzt sitze ich da und warte bis die Angst nachlässt …

… in der Zwischenzeit: bloß nicht hüpfen … :-/

 


Bild: pixabay

068 // Chronische Migräne für Dummies

Dass Migräne einfach nicht lustig ist, merkt man schon allein daran, dass es auf Witzeseiten kaum Witze über sie gibt – schon gar keine guten.

Uralt-Weisheiten wie:
„Wenn die Frau Migräne plagt, hüpft der Bauer gern zur Magd“, hilft dem Zwerchfell auch nicht nachhaltig auf die Sprünge.

Deshalb jetzt der ultimative Migräne-Witz:
——

Wie nennt man einen Neurologen, der das klinische Bild einer chronischen Migräne nicht kennt?

Gutachter!!! 😂
——

Der Brüller, oder? 😉🤣 huuuuuu …

… wenn‘s nicht so traurig wäre.

Der Chefarzt der Neurologie einer nicht ganz kleinen Klinik im Ruhrgebiet (seines Zeichens Gutachter in meiner Schwerbehindertenangelegenheit) führt in seinem Gutachten über mich aus:

„Sie führt einen Kopfschmerzkalender, wobei dieser wertlos ist, da sie jeden Tag angekreuzt hat. Sie hat dabei unterschieden zwischen den Basilaris-Migräne-Anfällen, die sehr selten sind und der normalen Migräne, die schon im Abstand von wenigen Tagen auftritt, zusätzlich füllt sie die restlichen Kreuzchen mit der Angabe eines ständigen Spannungskopfschmerzes, sodass dieser mit Plausibilität immer, auch bei der jetzigen Untersuchung, vorliegen müsste, wobei sie aber nicht beeinträchtigt erscheint.“

Was soll man dazu sagen?

Ich versuch‘s mal hiermit:

Ein Schmerztagebuch, das jeden Tag Eintragungen enthält, ist weder wertlos noch unplausibel. Es dokumentiert schlicht und ergreifend den Alltag von bis zu 1,2 Millionen Menschen in Deutschland, die an und unter chronischer Migräne leiden, …

„DU VOLLHONK!!!“, möchte Etwas in mir ergänzen, aber ich bleibe natürlich (vordergründig) sachlich und verweise jetzt auf die fachmedizinischen Fakten:

(Das Folgende eignet sich übrigens gut zum Ausdrucken, mit in die nächste Arztpraxis schleppen, dem Gutachter zusenden, Weiterleiten, Teilen, speichern … feel free …)

Chronische Migräne

In einer Expertenempfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft/ Deutsche Gesellschaft für Neurologie sowie der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft/Schweizerischen Kopfwehgesellschaft zur „Therapie und Versorgung bei chronischer Migräne“ findet man folgende Informationen:

„Der Übergang einer episodischen Migräne in eine chronische Verlaufsform wurde erstmals Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, damals noch unter dem Namen ‚transformed migraine‘ (transformierte Migräne) von amerikanischen [Ärzten] beschrieben. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass einige Patienten mit einer eindeutigen zu Beginn episodischen Migräne über Jahre eine zunehmende Attackenfrequenz erleben, die schließlich in einen täglichen Kopfschmerz übergehen kann. Dabei kommt es auch zu einem Wandel der Kopfschmerzsymptome. Im Vordergrund steht dann ein täglicher holozephaler, drückender Kopfschmerz ohne oder mit nur gering ausgeprägter begleitender vegetativer Symptomatik. Dieser Kopfschmerz wird zusätzlich unregelmäßig von Attacken überlagert, die die Kriterien für Schmerzen und Begleitsymptome einer Migräne ohne Aura erfüllen. […] Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) nahm mit der 2. Auflage der Internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-II (2004) den Begriff der chronischen Migräne erstmals auf. Die ICHD-II führte im Jahr 2004 die Diagnose der chronischen Migräne erstmals im Kapitel „Migränekomplikationen“ auf. […]

Klinisch berichten Patienten mit einer chronischen Migräne über eine längere mittlere Attackendauer, eine höhere Schmerzintensität und sie sind im Durchschnitt durch den Kopfschmerz auch mehr belastet als Patienten mit einer episodischen Migräne.
[…]
Patienten mit einer chronischen Migräne haben einen signifikant höheren Grad der Einschränkung, häufiger psychiatrische Erkrankungen und daraus resultierend häufiger Kontakte mit Ärzten, Notaufnahmen und diagnostischen Maßnahmen […]

(Quelle: Fachartikel aus „Der Nervenarzt – 12/2012 http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/Empfehlung_Therapie_und_Versorgung_bei_chronischer_Migraene.pdf)

0,2% -1,5% d. Gesamtbevölkerung
(das sind 160.000 – 1,2 Millionen Menschen in Deutschland) sind an chronischer Migräne erkrankt. (Quelle: Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft – DMKG)

Kopfschmerz vs. Migräne

Zum Thema: „Sie scheint unbeeinträchtigt“ zeige ich im folgenden Bild einmal den Unterschied zwischen „Kopfschmerzen“ und „Migräne“:

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Wenn „normale“ Menschen das nicht wissen und ihnen der Spruch „Du siehst ja garnicht krank aus“ rausrutscht: geschenkt.

Wenn aber nicht mal Fachärzte in ihrer Eigenschaft als Gutachter (also mit großer Verantwortung für rechtlich korrekte Behandlung von kranken Menschen) aktuelles Grundlagenwissen in ihrem Fachgebiet haben, dann gute Nacht Marie!

Sowas macht mich einfach stinksauer, weil es entweder dumm oder dreist oder beides ist.

In jedem Fall macht es mir die Aktion „Arztbesuch“ noch schwerer und das ist ungefähr das Letzte, was ich brauche ..

 

 

 

 

 

067// 10 Gründe, warum es mir scheißegal ist, dass ich (wahrscheinlich) nie ein (followertechnisch) erfolgreiches Blog haben werden

1. Ich mag mein Blog und ich mag die meisten meiner Texte.
2. Ich seh’ nach nix aus. Stimmt, aber: „Ey, Alter guck dich doch ma’ an!“ 😉 – will meinen: So sieht eine multimorbide Ü40er-Else nunmal aus.
3. Mit meinen 30 wordpress-Blogger-Kollegen, die mir folgen und den E-Mail-Followern (Überschneidungen möglich) sind es etwa 60 Personen, die ich mit meinen Texten erreiche. 60!!! Für mich persönlich eine ungeheure Zahl!!! Das ist eine Steigerung von 2000% von Monat 1 mit 3 Personen zu Monat 9. Noch Fragen? 😉
4. My Blog is‘ my castle. Hier bin ich der Chef. Das ist eine schöne, neue Erfahrung. Hier kann ich einfach machen, was ich will und verantworte die Konsequenzen alleine. Streiche aber auch das eintrudelnde Lob alleine ein … Das war in der Vergangenheit selten der Fall und somit dringend Zeit, das sehr grundlegend zu ändern.
5. Irgendwann veröffentliche ich ein Buch (*träum*). Dann wird dieser virtuelle Ort ein Ort der Begegnung und romantisch verklärten Wehmut sein. Ein Ort, an dem ich einfach jederzeit Worte und Buchstaben ändern kann, wie es mir beliebt. Ein schöner Ort für Ergänzungen, Erläuterungen und aktuelle Entwicklungen …
6. Mir ist das wurscht, was die meisten sagen, mir kommt‘s nur auf einige wenige Menschen an, und ob die hier alle mitlesen … ?
7. Wo steht, dass man ein followertechnisch erfolgreiches Blog haben muss, um glücklich zu sein? Die meisten Menschen auf der Welt haben nicht mal eins!
8. Datenschutz? Schräge Blicke? Anfeindungen? Andere Schreiberlinge haben auch Familien und schreiben „schlimme Sachen“, die den Otto-Normal-Leser verstören.
9. Die Sachen, die ich erlebe, sind es einfach wert, festgehalten zu werden. Ob aus Amüsemeng-Gründen oder der Empörung wegen: Alles ist Leben und allein deshalb will ich, dass mein Leben auch Spuren hinterlässt, wo ich nicht selbst zugegen war.
10. Wer sagt, dass ich künftig keine Kochrezepte, Schminktipps, Workouts, Sexbeichten oder Verschwörungstheorien veröffentliche? 😉

 

Erwarte nix, rechne mit allem …

 

066 // 10 Gründe, warum ich (wahrscheinlich) nie ein (followertechnisch) erfolgreiches Blog haben werde

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt. Über mich, über verschiedene Weltanschauungen, über Menschen, über Systeme, über Medien und über das Bloggen.

Warum ich jetzt der Meinung bin, dass ich (wahrscheinlich) nie ein (followertechnisch) erfolgreiches Blog haben werde:

1. Ich folge meinerseits nur Blogs, die mich wirklich interessieren. Ich folge nicht Hinz und Kunz, damit sie mir auch folgen. Das wird auch so bleiben.
2. Ich bin nicht gut im Selfmarketing.
3. Ich bin 44 und seh‘ nach nix aus.
4. Hier gibt‘s keine Kochrezepte, Schminktipps, Workouts, Sexbeichten oder Verschwörungstheorien.
5. Meine Texte schreibe ich in erster Linie für mich und freue mich, wenn sie jemandem gefallen, helfen oder ihn zumindest kurz unterhalten.
6. Ich habe nicht viele Freunde (real und virtuell), die als Multiplikatoren mein Blog hypen könnten.
7. Ich bin zu krank, um alles, über das ich gerne schreiben würde, umsetzen zu können. Die meiste beschwerdearme Zeit muss ich dem „Siechtumsmanagement“ widmen (Arzttermine ergattern, wahrnehmen oder hinauszögern, Therapietermime ergattern, wahrnehmen oder nachholen, Physio-Rezepte jagen, Korrespondenz mit Sozialgericht, Rentenamt, Krankenkasse usw.)
8. Es dauert alles 20 Mal länger als bei Gesunden.
9. Einige meiner inneren Anteile machen sich Sorgen. Zum Beispiel um den Datenschutz, meine Zukunft, die Familie und und und … *haarerauf*, so dass ich nicht alles aufschreibe, was ich aufschreiben könnte, obwohl es gut wäre … grrrr
10. Ich mache mir zu viele Gedanken … zum Beispiel darüber, warum ich (wahrscheinlich) nie ein (followertechnisch) erfolgreiches Blog haben werde … 😀

 

Warum ich trotzdem weitermache?
Erzähl‘ ich das nächste Mal … 😉

 

 

 

 

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