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075 // Konfliktangstbewältigungstraining: check

Der ein oder andere mag meine Aktion für sarah (und Viola) albern und übertrieben finden. Dabei sollte man nicht vergessen, warum ich unter anderem so vorgehe: Stichwort „Konfliktangstbewältigungstraining“ …

Ich wollte Ärger, Konflikt und Stress, damit ich mich daran gewöhnen kann und durch Gewöhnung und Konfrontation ein bisschen lockerer werde. Ich habe Ärger, Konflikt und Stress bekommen, also musste ich diese Gelegenheit einfach nutzen.

Zumal ich bei meinem letzten sehr großen, unvorhersehbaren Konflikt, von dem ich noch gar nicht erzählt habe, wieder sehr schwer angeschlagen war.

Und, hat’s was gebracht?
Ja, absolut.
Im Vergleich zum Bootcamp nach meinem Auftritt im Kopfschmerzforum war das gestern schon ein Spaziergang.

Wir erinnern uns:
Damals: 3 Tage Panikattacken, Herzangst, Migräne und Heulerei ohne Ende. Selbstzweifel, Fluchttendenz und Verzweiflung. Das ganze Blog wollte ich zwischendurch löschen! Ich Weichei.

Diesmal lief es schon bedeutend besser: Nur einmal ordentlich Blutdruck, Schwindel und Ohrenfiepsen. Ein paar Stunden Nervenzucken und Gesichtsschmerzen. Pillepalle! Und Migräne krieg‘ ich sowieso alle paar Tage, da sind die Kausalitäten wurscht.

Das wird also! 🙂

Was hab‘ ich diesmal anders gemacht?
Diesmal habe ich mich mit meinen Körperreaktionen als solche beschäftigt, sie nicht sofort als „Angst“ wahrgenommen und ich habe mal wieder alle Stimmen in mir labern lassen – nichts unterdrückt oder ignoriert. Es war dadurch mehr ein hysterisches inneres Zeter und Mordio, aber es gab von Anfang an auch die amüsierten Teile, denn spätestens als Viola „Spast“ zu mir gesagt hat, hab‘ ich mich gefreut, wie ein Schneekönig. Ich fühl‘ mich richtig geehrt irgendwie. Einerseits, weil ich das Wort phonetisch so mag und immer an das Buch „Chill‘ mal, Frau Freitag“ * denken muss und andererseits, weil ICH sie dazu gebracht hab‘, ausfallend zu werden. Das ist nicht nur selbstwirksam sondern sogar fremdwirksam! Das ist ein Riesenerfolg für mich.
Aber nicht nur für mich!
Auch mein Mann ist glücklich, weil er sein Betitelungs-Repertoire erweitern konnte. So nennt er mich jetzt liebevoll „mein Spast“ (statt Affenmädchen) 😀

Ebenfalls nicht zu vergessen:

Ich bin immer noch ein schwerbehinderter Erwerbsminderungsrentner (GdB 70), der keine 500 Meter zügig alleine laufen kann und fast nur in der Bude oder im Bett hängt, weil er sich zwischen den Migräneattacken mit chronischen Schmerzen im ganzen Körper, Depris, Ängsten und Erschöpfung rumärgern muss.

DAFÜR hab‘ ich nicht schlecht reagiert, finde ich. FibroFog hin oder her. Da muss ich mich mal selber loben. 😉

Aber die wichtigste Erkenntnis, die sich auch diesmal wieder bestätigt: Egal, was ist: so lange man nicht alleine dasteht, ist alles zu schaffen.
Ob die vielen tollen Nachrichten, die Lacher im „Publikum“ oder die Tatsache, dass ich um mich herum Menschen habe, die auch wirklich jeden Scheiß mittragen, den ich mir ausdenke, für alles und jeden einzelnen bin ich dankbar. Dankbar, dass es auch diese Menschen gibt und, dass sie da sind, wenn ich sie brauche.

DAS ist der Unterschied zu früher und DAS ist der Unterschied zwischen Trauma und Glück. <3

 

*

Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ Da steht also ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte, und denkt, ein Spast sei ein kleiner Vogel.
(Quelle: Frau Freitag – Chill‘ mal, Frau Freitag: Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin. Ullstein 2011)

FAQ „Basilarismigräne“ jetzt online

Nicht zuletzt durch den tollen Support von der lieben FibroFee (1000 Dank nochmal!!!) haben sich viele neue Leser auf meinem Blog versammelt. Viele von ihnen sind ebenfalls von Migräne betroffen und (wie die meisten von uns) immer auf der Suche nach hilfreichen Infos.

Bei der Basilarismigräne oder aktuell und medizinisch korrekt „Migräne vom Basilaristyp“ oder „Migräne mit Hirnstammaura“ haben wir Betroffenen es da besonders schwer. So richtig umfassende Informationen gibt es nicht. Also sind wir darauf angewiesen, uns unsere Infos mühsam selber zusammenzusuchen. Meistens sind es andere Betroffene, die uns dann weiter bringen. Und sei es nur, um festzustellen „ich bin nicht alleine mit dem Mist“.

Das Infoblatt, das ich neulich erstellt habe, kam schon mal gut bei Euch an, aber es gibt noch viele Fragen darüber hinaus. Die wichtigsten, die mir häufiger in diesem Zusammenhang gestellt werden, habe ich nun auf einer FAQ-Seite zusammengestellt und beantwortet. Ihr findet sie in der Hauptnavigation oder hier: FAQ-„Basilarismigräne“.

 

069 // In der Höhle der Echse – myyzilla auf doccheck.de

Mit meiner Arztangst bin ich im letzten Jahr keinen Millimeter weiter gekommen. Im Gegenteil. Das Erlebnis mit Frau Dr. Jekyll-Hyde steckt mir noch so tief in allen Ebenen des Daseins, dass ich mich noch weiter zurückgezogen habe aus den schönen Arztpraxen dieses Landes.

Das ist aber nicht richtig und bringt mir nur noch mehr Scherereien und Druck. Ohne Ende Druck. Verdammt nochmal. 🙁

Mein Psychotherapeut therapiert sich langsam ’nen Wolf und ich habe ihm gegenüber schon ein schlechtes Gewissen. Andere (kassenfinanzierte) Traumatherapieplätze sind nicht in Sicht.

Es muss etwas passieren.

Den Januar, den ich überwiegend im Bett liegend verbringen musste, habe ich also genutzt, um neue, professionellere Herangehensweisen auszutüfteln. Ich besann mich auf meine Ressourcen, Stärken und den nicht versiegenden Quell toller Ideen, die Fury und den anderen den Tag vertreiben.

Irgendwann stieß ich beim Durchsehen meiner Erinnerungen an ein besseres Leben, auf ein Ereignis, das mir nun als Vorbild dienen soll:

So hatte ich seiner Zeit eine fast 20 Jahre bestehende, wirklich heftige Frosch- und Echsen-Phobie selbst therapiert, indem ich mir detaillierte Informationen über die  Methoden der Phobie-Therapie der Christoph-Dornier-Klinik (an die ich eher zufällig über die Uni gelangt war) reinzog und mit Unterstützung eines netten Arbeitskollegen (Reptilienfan), schrittweise die Bewältigung dieses Angst-Themas angehen konnte.

Die Frosch-/Echsen-Sache hört sich lustig an, war sie aber nicht. Es steigerte sich über die Jahre so weit, dass ich in jedem sich bewegenden Grasbüschel – selbst an Straßenlaternen – mich mit Haut und Haaren fressende Frösche befürchtete. Krass – ich weiß. Aber es gibt echt ’ne Menge schräger Phobien (z.B. die Angst vor der Zahl 4 = Tetraphobie), insofern befinde ich mich in bester Gesellschaft mit vielen anderen armen Kreaturen und gehe damit heute selbstbewusst um.
Achtung Spoiler: Ich kann’s mir heute ja auch leisten – hab’s geschafft! Und zwar besser als ich mir das erhofft hatte, wie ihr später im Text sehen werdet.

Bevor ich mich heilen konnte, waren bereits Bilder von Fröschen und Eidechsen schon schlimm für mich. Videos gingen gar nicht. Die Biologie-Stunde, in dem dieser unsägliche „Froschschenkelversuch nach Galvani“ gezeigt wurde, den viele sicher noch aus der Schulzeit kennen, ist mir noch heute als mein persönliches Armageddon in Erinnerung.

Wie hab‘ ich es also geschafft?

Antwort: Durch meinen Willen, den Verstand siegen zu lassen und dem Körper schrittweise einen chilligeren Umgang mit dem gemeinen Lurch anzutrainieren.

Initialzündung für meine Heilung war dabei ein logischer Zusammenhang, den mein Reptilien-Kollege damals äußerte:

In einem Gespräch wollte er wissen, was genau an den Tieren mir denn so eine Angst macht. „Was denkst Du denn, machen die mit Dir?“, fragte er.
Da ich den Kollegen auch menschlich mochte, traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich schlicht Angst hätte, dass die Scheißviecher mich anfallen und auffressen (ja, ich weiß – vollkommen irrational und wirsch. War aber so.).

Mein Kollege lachte mich nicht aus wie die meisten anderen, die davon hörten, sondern sagte ganz trocken: „Da brauchst Du keine Angst zu haben, Du entsprichst doch gar nicht deren Beuteschema.“

Ich so: „?!“
Er so: „Na, du hüpfst ja noch nicht mal.“
Ich wieder:“?“
Er:“Solange Du nicht aussiehst und dich bewegst, wie ein Insekt oder anderes Beutetier passiert Dir doch nichts.“

Eine bestechende Logik.

Ja, ihr lacht, aber das war die Grundlage dafür, dass ich mich ganz langsam über diese mentale Krücke („nicht hüpfen, dann passiert dir nichts“) mit den Tieren befassen konnte, ohne vor Angst fast in Ohnmacht zu fallen.

Es folgten Monate, in denen ich mich erst theoretisch mit den Fröschen und Echsen befasste (interessante Tiere sind das nämlich!). In einer nächsten Stufe schaute ich mir gemeinsam mit dem Kollegen Bilder seines (in einem frei im Wohnzimmer stehenden Fikus-Benjamini lebenden) Chamäleons (Name vergessen) und später seines Tokeh-Geckos „Lukas“ an.

Lukas war nicht ohne. Tokehs können beißen. Fies beißen. Sie schnappen zu und wollen dir das Fleisch rausreißen, indem sie ihren Kopf und schlimmstenfalls sich selbst um ihre eigene Achse drehen wie ein Krokodil (na, auch Angst? he he he ;-)). Aber selbst den konnte ich mir kurze Zeit später schon im Video angucken.

Den erfolgreichen Abschluss meiner Selbsttherapie feierte ich dann auf der griechischen Insel Kos. Mein damaliger Lebensgefährte und ich wohnten zu ebener Erde in einem Appartmenthotel. Die etwa 1000 Quadratmeter Schotter und Sand hinter dem Hotel, auf denen mittig eine alte große hölzerne Kabeltrommel lag, dienten mir als meine Therapiearena.

Der Hohlraum unter der Kabeltrommel war das Zuhause vieler kleiner Echsen. Mit dem Fernglas konnte ich das Treiben von der Terrasse aus beobachten. Urgs. Der Weg zum Strand führte in etwa 10 Meter Entfernung an der Trommel vorbei. Also musste ich all meinen Mut zusammennehmen, um zum Strand zu gelangen.

Ich war tatsächlich mutig genug. Mehr noch: Der Forscherdrang obsiegte!

So beobachtete ich die Tiere erst von weiter weg, dann ging ich langsam näher, bis die Angst auf Stufe 9/10 (am höchsten) war. Dort blieb ich stehen und wartete zitternd und weinend, bis sie runter ging (so macht man das in der Konfrontationstherapie). Dabei redete ich auf mich ein: „Jetzt nur nicht hüpfen, dann passiert dir nichts.“

Und was soll ich sagen: Ich bin nicht gehüpft – es ist mir nichts passiert.

Irgendwann war ich so nah dran, dass ich den kleinen grauen Echsen in die Augen schauen konnte und wenn sie nicht grade allzu plötzliche Bewegungen machten, konnte ich sogar mit einem Puls leicht unter 180 in ihrer Nähe sein. Am Ende des Urlaubs saß (!) ich unter meinem großen Hut stundenlang auf dem Schotterplatz und redete mit der Kabeltrommel – so sah das zumindest für die anderen Hotelgäste aus, vermute ich – aber das fiel mir erst später auf. 🙂

Viel wichtiger ist: Ich habe meine Angst dort besiegt und konnte am letzten Tag des Urlaubs sogar einen Ausflug zum Asklepieion, der antiken Heilstätte des Hippokrates, der auf der Insel geboren war, genießen. Auf den alten aufgeheizten Gemäuern wimmelt es natürlich nur so von Echsen. Aber auch die größeren konnte ich aushalten.

Ein neues Leben begann.

Mein Wissen und mein Interesse an den Tieren führte nun dazu, dass ich kurze Zeit später selber Gecko-Mutti wurde und eine etwas pummelige Phelsume namens „Dicke“ und einen Marmorgecko namens „Charlie“ (weil er aus Vietnam stammte :-)) im selbst gebauten Regenwald-Terrarium beherbergte.

Was für ein Happy End, hm? 🙂

So soll es jetzt auch mit den Ärzten klappen.

Eine Phobie muss nicht unbedingt durch ein Trauma entstanden sein, aber die Mechanismen sind doch recht ähnlich (rede ich mir ein). Ersetze also „Echse und Frosch“ durch „Arzt“ und schon sollte es doch gelingen, die Angst vor ihnen irgendwie in den Griff zu kriegen.

Ich muss mich nur gründlich über Ärzte informieren, ihren Lebensraum studieren, ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten kennenlernen, Kontakt aufnehmen, halten und irgendwann müsste ich ja dann auch mit den gefährlichen unter ihnen klarkommen – so mein Plan.

Was noch fehlt ist die mentale Krücke („nicht hüpfen, damit ich nicht ins Beuteschema passe“). Hier bin ich dankbar für alle Vorschläge. 😉

Bisher habe ich einige Informationen gesammelt, mir Studieninhalte, Gehaltsstatistiken und Juristisches angesehen. Nun will ich also einen Schritt weiter gehen: Ich nähere mich an. Setze mich sozusagen neben die Kabeltrommel des medizinischen Fachpersonals und nehme Sichtkontakt auf.

Da ich mit meinem Studium durchaus einschlägig qualifiziert bin und mittlerweile einige Gesundheitsthemen und medizinische Sachverhalte als freier Autor vertextet habe, gewährte man mir Zugriff auf das wirklich interessante Portal doccheck.de.

Dort habe ich mir ein Profil eingerichtet, das von den Mitgliedern der Plattform angesehen werden kann – einen Hinweis auf meine Seite habe ich natürlich auch eingestellt.

Jetzt sitze ich da und warte bis die Angst nachlässt …

… in der Zwischenzeit: bloß nicht hüpfen … :-/

 


Bild: pixabay

Baustellenkommunikation I

Hallo, zusammen!

Ich hoffe sehr, ihr seid noch alle da?
So wie es aussieht, hat der Umzug zu wordpress.org technisch einigermaßen geklappt.

Leider fallen auch hier Späne, weil ordentlich gehobelt wurde: Alle eure Likes sind futsch – die kann man wohl im Gegensatz zu den Followern und den Kommentaren nicht migrieren … Das nervt richtig … bin total traurig deswegen … 😫

Also, wenn ihr Zeit und Muße findet, würde ich mich freuen, wenn ihr eure Lieblings-Beiträge einfach nochmal liked. 🙂

Wer den alten Kram nicht mehr lesen mag, schnuppert am besten gleich mal in die neuen Rubrik „Meine Erfahrungen“.

Dort findet ihr meine persönlichen Erfahrungsberichte und Anekdoten über Ärzte, Kliniken, Medikamente, Therapiemethoden, Sport, Bewegung usw.
Der Bereich Medikamente ist bereits recht umfangreich bestückt, der Rest folgt nach und nach und wird ständig aktualisiert.

Bei mir als unfreiwilligem „PowerUser“ unseres Gesundheitssystems kommt da natürlich einiges zusammen. Als Kostprobe empfehle ich euch mal vollkommen willkürlich meinen Erfahrungsbericht mit dem Medikament „Targin“ …

Viel Spaß! Und: Danke, dass ihr dran bleibt!

Eure myyzilla

! Achtung Baustelle. Es wird holprig …

Kurze Durchsage: Nachdem ich nun seit Weihnachten praktisch durchgängig mit Migräne flach lag und Verzweiflung, Angst und Depris mich im Schwitzkasten hatten, habe ich jetzt neue Pläne: Ein umfassender Seitenum- und -ausbau soll es werden.

Ich gehe davon aus, dass es holprig wird und zwischendurch das Chaos herrscht. Lasst euch nicht verwirren, irgendwann wird es dann soweit sein, dass man sich hier wieder ordentlich zurecht findet.

Wenn nicht: Behaltet mich in guter Erinnerung 😉 😀

Danke für euren Support!

myyzilla

 

(Bild: pixabay)

 

061// Follow me on Instagram

Ok, ich hab‘ mich lange geziert, es ist alles sehr mühsam momentan, aber jetzt ist es soweit. Nach dem Motto „Jetzt erst recht“, heißt es ab sofort:

myyzilla goes Instagram

Unter: Instagram.com/myyzilla
könnt ihr mir auch dort euer Auge leihen, Kommentare abgeben, und vor allem kleine, grafisch optimierte Happen myyzillööösen Inputs genießen 😉

Einiges wird euch als Blogleser erstmal bekannt vorkommen, aber da geht noch was … wartet ab … 😉

045 // Mein Blog

Von der ersten Rentenzahlung kaufe ich mir ein kleines Ultraleicht-Notebook, ein Seitenschläferkissen und meine WordPress-Seite. Jetzt kann ich auch im Liegen schreiben und die eingesprochenen und bereits fertigen Texte, relativ gut nachbearbeiten.

Dann geht es los: Mein Blog wird geboren – noch zeitversetzt, aber die Synchronizität ist greifbar nah. 🙂

Erst quäle ich mich rum mit diesem Entschluss, bekomme aber das Gefühl des Richtigseins nicht aus dem Kopf. Die Dinge müssen raus, ich muss sichtbar werden, so wie ich bin. Bisher habe ich (außer auf meinem facebook-Profil) es immer vermieden, mein Gesicht irgendwo im Internet zu verbreiten. Ich bin nicht wichtig, habe ich gelernt. Bedeutungslos, unerwünscht und ohne Relevanz.

Damit ist jetzt Schluss. Jetzt bekommen andere innere Anteile ihre Chance.

Ich will das. Ich brauch‘ das. Es müssen Punkte hinter so viele Geschichten gemacht werden. Auf dem Bildschirm und im realen Leben.

Es gibt für mich keinen leichten, versteckten Weg – das hab‘ ich schon gelernt.

Ich habe einige doofe Krankheiten, die mich mittlerweile zum Behinderten gemacht haben, aber es gibt mehr als die Angst, die Panik, die Verzweiflung und die Schmerzen. Das will ich sagen und zeigen. Ich bin ein Mensch wie alle anderen. Es gibt keinen objektiv plausiblen Grund, warum ich mich nicht zeigen sollte.

Ich bin es auch einfach leid, mich zu verstecken, ich bin es leid, nach innen zu leiden.

Wenn ich irgendwann wieder in Balance kommen will, muss ich jetzt erst mal ein Stück „nach außen leiden“, ob mir das gefällt oder nicht – ob das anderen gefällt oder nicht.

Über mich (mit einem Riesen-Foto dazu) schreibe ich schließlich:

BÄM! [wegen des Fotos :-)]

So klein, unbedeutsam und schwach wie ich mich meistens fühle, so großkopfert, wichtig und hilfreich muten manche meiner Ideen an. Das hab‘ ich eingesehen, integriert und jetzt blogge ich.

Ich befolge damit sogar einen ärztlichen Rat. OK, er hat von Buch gesprochen, aber Blog is‘ ok, oder Doktor F.? 😉

Ich weiß, dass das alles andere als schön für mich wird. Ich werde mich über mein Arbeitstempo, meine Orthografie, meinen Output und die schreckliche Angst vor Konflikt und Kontrollverlust ärgern. Geht schon los … aber das ist ok.

Trotz allem habe ich das Gefühl (immerhin hab‘ ich mittlerweile sowas), dass dies der einzige Weg für mich ist, den ich noch eigenständig gehen kann. Den ich gehen WILL! Obwohl etwas in mir mich permanent anschreit: „Bist du noch zu retten? Was geht das die Leute an? Was glaubst du, wer du bist? Die werden wohl alle grad auf dich gewartet haben. Deinen Kram interessiert doch niemanden. Guck, mal, jetzt macht’se auf Blogger … usw. usf.“

Nein, auf mich wartet keiner und interessieren tut sich auch keiner. Jedenfalls keiner, von denen ich das erwartet hätte. Wie weit mein Schicksal anderen am Arsch vorbei geht, weiß ich jetzt. Und das ist gut so. Ich lerne.

Was ich bereits gelernt habe, ist, dass ich mich nicht darüber beschweren darf, dass mich niemand sieht, wenn ich mich nicht zeige. Also bitte sehr. Hier bin ich: myyzilla – die winzigkleine Königin der riesengroßen Monster.

„myy“: gesprochen mü= (µ) = winzig klein + „zilla“ von Godzilla = König(in) der MonsterMein Alter-Ego mit dem schönen Namen erblickte fast unbemerkt zwischen Befundkopien für’s Versorgungsamt und diversen Krankenkassen-Formularen irgendwann im Frühjahr des Jahres 2016 das Licht der Welt, als ich grade knapp eine ambulante ganztägige Reha überlebt hatte. „Überlebt“ ist natürlich maßlos übertrieben. Meine Krankheiten sind alle nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Sie fühlen sich nur so an.

Zu diesem Zeitpunkt entwickelte ich also eine Ahnung davon, dass das größtenteils unfreiwillig angesammelte Wissen über Krankheiten, Sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Schmankerln und unser Gesundheitssystem irgendwann mal raus will. Raus muss.

Jetzt ist es soweit.

Engage!

(bitte jetzt die typische Gestik und entschlossenen Gesichtsausdruck von Captain Jean-Luc Picard vom Raumschiff Enterprise in StarTrek vorstellen. Für alle „nicht-Trekkies“ gibt es hier ein Video… )

myyzilla

 

*** Mein Kommentar zur NRW-Wahl ***

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Riesen Dank!

Heute möchte ich außerhalb der Chronologie meiner Beiträge einmal ein riesen Dankeschön loswerden an alle, die mir öffentlich in den Kommentaren, durch ein Like oder mit ihren E-Mails zeigen, dass mein Entschluss, mich selbst zu öffnen und sichtbar zu werden – mit allen Konsequenzen – der richtige ist.

Ich weiß, es gibt so viele Menschen, die viel, viel schlimmere Krankheiten haben als ich, aber ich weiß auch, wie sehr man unter denen leiden kann, die ich habe. Sogar so sehr, dass nicht alle sie überleben.

Es gibt so viele, denen es ähnlich geht, die keine Lobby haben, die alleine zuhause oder in irgendwelchen Kliniken sitzen, weil keiner erkannt hat, was wirklich Phase ist und niemand an sie glaubt. Manche sind so krank, dass sie sich nicht mehr angemessen äußern können. Ich kann es heute. Dafür bin ich dankbar.
Angefangen hab‘ ich dieses Blog nur für mich selbst, aber ich merke schon jetzt, dass sich etwas ändert. Ich bin nicht alleine – Ihr seid nicht alleine.
Das gibt mir Kraft, obwohl es schwer ist.

Das Bloggen ist für mich wie Bungeespringen. Jeder Eintrag ein Fallenlassen.
Neulich bin ich dabei kurz mit dem Kopf unten aufgeschlagen, wahrscheinlich weil ich zu naiv war. Ich habe die Traumatrigger-Gefahr nicht gesehen oder unterschätzt. Die Quittung kam postwendend.
Darüber später mehr, wenn ich es verarbeitet habe.

Jetzt erstmal: 1000 Dank!

myyzilla

010 // Von Blumen und Goldfiguren – TK-Programm „Schmerzfrei leben“ (Teil III)

In der dritten und letzten Woche des Rückenschmerz-Programms der Techniker Krankenkasse rät man mir dringend, mit einem Antidepressivum gegen Schmerz, Angst und Migräne anzugehen. Bisher hatte ich mich erfolgreich dagegen gewehrt. Medikamente haben bei mir selten nur den angestrebten Effekt. Die meisten vertrage ich nicht. Und zwar RICHTIG NICHT.

Der Algorithmus

Die Chefin höchst persönlich gibt mir am vorletzten Tag des Programms – ein Donnerstag – das Rezept. Ich frage, wie es denn jetzt weitergehen soll. Sie sagt: „Krankschreiben können wir Sie wegen der Rückenschmerzen nicht weiter. Das lässt der Algorithmus nicht zu. Aber kommen Sie einfach am Dienstag wieder dann schreiben wir Sie auf Stimmung krank. Sie haben da so viele andere Baustellen.“

So richtig verstehe ich das nicht, aber wer gibt sich schon die Blöße und fragt, was es mit diesem Algorithmus der (Halb-)Götter in weiß auf sich hat?  Kein schlechter Kommunikationstrick, Frau Doktor. Wenn ich ich wäre in einer Arztpraxis, hätte ich das vielleicht durchschaut und anders reagiert. Aber so … volle Lotte reingefallen.
„Jeder bekommt die Patienten, die er verdient“, erörtert die intelligente Frau weiter.
Den Punkt „persönliche Beziehung zum Patienten aufbauen“, beherrscht sie aus dem Effeff. Soll wohl sein. Immerhin ist sie unter anderem Ärztin für Psychotherapie. Da muss man den Patienten loben, seine Stärken hervorheben, um Vertrauen zu schaffen. Ein Krönchen der Intimität setzt sie unserem kleinen Gespräch auf durch den Hinweis im halb gemurmelten Nebensatz, dass ihr Vater ihr die Pubertät quasi untersagt hätte. Armes Ding, denke ich. Ich vertraue dir.

Am Freitag soll’s  dann mit dem Antidepressivum losgehen. Einmal am Tag eine. Ob mit Nebenwirkungen zu rechnen sei, weil ich so vieles nicht vertrage, frage ich noch zwischen Tür und Angel. Die Ärztin mit der Udo Walz-Frisur kneift motivierend beide Augen zusammen. „Sie werden das gut vertragen“, ruft sie über den Flur und klackert festen Schrittes auf ihren Pumps davon.

So positiv verstärkt nehme ich Freitag die erste (und vorerst letzte) Tablette dieser Art: Citalopram. 20 mg. Den Beipackzettel hatte ich vorsorglich meinem Mann gegeben, um mich nicht bekloppt zu machen. Was dann passiert, weiß ich nicht mehr genau. Ich erinnere mich an Comic-Figuren, Karussell-Fahrten mit ägyptisch aussehden Goldfiguren, Blumenarrangements und Nebel. Samstag Vormittag  lässt der Nebel nach. Zitternd und nassgeschwitzt liege ich im Bett. Ich übergebe mich mehrmals und habe Durchfall. Ich erreiche die Ärztin via E-Mail. Sage, dass ich Angst habe, von diesen Tabletten noch eine zu nehmen. Sie meldet sich kurze Zeit später mit der Order, keine mehr zu nehmen. Wir sprächen Montag beim Abschlussgespräch.

Sonntag Mittag kommt der Notarzt. Luftnot, Krämpfe, super hoher Blutdruck, Todesangst, Hyperventilation, Tetanie. Ich kann nichts mehr sehen und ich kann nicht mehr sprechen.

Das Absch(l)ussgespräch

Am Montag fährt mein Mann mich, bzw. das was von mir übrig ist, zum Abschlussgespräch in die „Integrationspraxis“. Ich sitze am ganzen Körper zitternd, leichenblass mit schwarzen Ringen unter den Augen auf meinem Stuhl. Eine mir bis dahin völlig unbekannte Ärztin nimmt mich und meinen Krankenhausbericht vom Vortag in Empfang. Sie stellt sofort eine neue AU aus, sortiert die Unterlagen und ist sichtlich betroffen von meinem erbärmlichen Zustand. Ich stammele was von „andere Diagnose“ und „Algorithmus“. Was bin ich nur für ein hundsfottdämlicher Vollidiot? Sie geht zur Chefin.
Als sie wieder reinkommt, ist sie plötzlich kurz ab. Guckt uns nicht mehr ins Gesicht. Sagt, eine AU könne sie mir nicht geben. Das sei nun Sache des Hausarztes. Ich wäre aus schmerztherapeutischer Sicht arbeitsfähig. Für den Durchfall und alles andere sei der Hausarzt zuständig.
„Wie bitte? Ist das ihr Ernst?“, höre ich mich aus der Ferne sagen.
Sie schaut mich nicht an, kramt kurz in ihren Akten. „Sie bekommen noch ein Rezept für Krankengymnastik und ein TENS-Gerät, das kriegen sie vorne“, sagt sie und verlässt das Behandlungszimmer, ohne uns nochmal anzugucken. Ich bin völlig perplex. Mein Mann kann auch nichts mehr sagen. Wir sind beide wie paralysiert. Gehen wie die getadelten Dummschüler zur Anmelde-Theke. Mir laufen die Tränen aus den verquollenen Augen. Mein Mann versucht der Sprechstundenhilfe zu erklären, dass das doch so nicht geht. „Das sieht man ja wohl, dass man so nicht arbeiten gehen kann“, zischt er um Diskretion bemüht. Die Chefin kommt. Kramt hinter der Theke rum. Sie würdigt uns keines Blickes. Die Sprechstundenhilfe nimmt sie zur Seite. Sie flüstern kurz. Madame geht schnellen Schrittes in ihr Büro und wart nicht mehr gesehen.
Ich verstehe die Welt nicht mehr. Fühle mich ohnmächtig, verletzt, entwertet und gedemütigt.
Mittlerweile weine ich ungebremst. Meine Beine zittern. Ich kann nicht mehr. Ich knicke weg. Von unten rechts schiebt sich eine schwarze Wand in mein Blickfeld. Mein Mann hakt mich unter und wird laut: „So geht man doch nicht mit Menschen um!“, wird er laut.
Ich rappel mich wieder hoch.
Alle gucken.
Ich will im Erdboden versinken. Mich unsichtbar machen. Ein Teil von mir will sterben. Jetzt.
„Ich will nach Hause“, schluchze ich.
Mein Mann ist hin und hergerissen: Durchdrehen oder Frau rausbringen. Ich spüre seinen inneren Konflikt. Habe Angst, dass das kampfsporterfahrene Schwergewicht hier gleich die Bude auf links dreht – und das alles wegen mir. Weil ICH es wieder nicht gebacken kriege. Weil ICH mal wieder gescheitert bin. Weil ICH zu schwach bin.
„Bitte!“, sage ich und ziehe ihn in Richtung Tür – irgendein Notprogramm schaltet sich in mir ein. Raus. Raus. Nur raus hier.
Er gibt nach und schiebt sich mit mir durch die Glastür. Mit einem Rummms zieht er sie hart hinter uns ins Schloss.

In der Praxis meines Hausarztes habe ich einen Blutdruck von 180 zu 120 und Kopfschmerzen. Kann mich kaum noch artikulieren. Er schreibt mich krank.

Später erfahre ich, dass die an dem Programm teilnehmenden Ärzte eine Bonuszahlung pro „gesundgeschriebenem Patient“ erhalten. Auch andere Patienten wurden mal eben so gesundgeschrieben und einen Tag später mit einer neuen Diagnose wieder krankgeschrieben. So läuft das also …

Ich beschwere mich schriftlich bei der Krankenkasse. Vier Tage brauche ich für den zweiseitigen Brief. Mein wirklich netter Sachbearbeiter ruft mich kurze Zeit später an. Er hätte den Brief an seinen Teamleiter weitergegeben. Ihm täte das sehr leid alles, so sollte es ja nicht laufen, blablabla. Was soll er auch machen?
Immerhin forderte er die Ärztin zu einer Stellungnahme auf. Es folgt erwartungsgemäß aalglattes Gewäsch. Dumm ist sie nicht. Hätt‘ ich selbst nicht besser schreiben können. Sie erläutert, die Gabe von Citalopram sei nach gründlicher Aufklärung erfolgt. Blablabla. DAS nenn‘ ich wirklich „schmerzfrei leben“. Jetzt versteh‘ ich auch, wie die auf den Namen des Programms kommen. Ich Einfaltspinsel.

Bin nur froh, dass sie das, was sie morgens im Spiegel sieht, alleine angucken muss. In Grund und Boden würde ich mich schämen.

Auf jameda und anderen Arzt-Bewertungsportalen studiere ich nun ihre Bewertungen. Mit der Zeit fällt mir auf, dass sämtliche negativen Einträge, die ebenfalls dieses merkwürdige mindestens ambivalente Verhalten der Ärztin kritisieren, nach kurzer Zeit wieder gelöscht waren.
Ich lass das mal so für sich stehen …

Es brennt

Seit diesem Erlebnis brennt es in meinem Körper. Am Rücken, in den Armen, in den Oberschenkeln, am Kopf. Ich schlafe kaum noch, schrecke zitternd und schweißgebadet hoch, habe das Gefühl, dass ich in einen Lift einsteige und abstürze, wenn ich ganz normal irgendwo stehe. Mehrmals sitze ich weinend auf dem Fußboden vor meinem Kleiderschrank, als mein Mann von der Arbeit nach hause kommt. Ich schaffe es nicht mal, mir alleine einen Pullover anzuziehen. Ich habe Angst vor allem, was in meinem Körper und um mich herum geschieht und ich habe Angst, jetzt vollkommen den Verstand zu verlieren.

Eine ganze Woche benötige ich, um mich soweit zu erholen, dass ich zu meinem Psychotherapeuten in die Praxis fahren kann. Hier geht es langsam wieder aufwärts …

—-
[Zwischenzeitlich (Stand Februar 2017) ist die Werbung für das Programm auf der Internetseite der Krankenkasse verschwunden. Ein Merkblatt taucht nur noch in den Tiefen der Seitenstruktur auf. Auf Nachfrage teilt man mir telefonisch mit, dass es das Programm nicht mehr gibt.
Warum bloß?
Vielleicht, weil sie was Besseres haben:
Die „digitale Rückentherapie zum Mitnehmen“ lese ich.
Kein Scherz.
Soll ich DAS mal probieren? :-D]

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