045 // Mein Blog

Von der ersten Rentenzahlung kaufe ich mir ein kleines Ultraleicht-Notebook, ein Seitenschläferkissen und meine WordPress-Seite. Jetzt kann ich auch im Liegen schreiben und die eingesprochenen und bereits fertigen Texte, relativ gut nachbearbeiten.

Dann geht es los: Mein Blog wird geboren – noch zeitversetzt, aber die Synchronizität ist greifbar nah. 🙂

Erst quäle ich mich rum mit diesem Entschluss, bekomme aber das Gefühl des Richtigseins nicht aus dem Kopf. Die Dinge müssen raus, ich muss sichtbar werden, so wie ich bin. Bisher habe ich (außer auf meinem facebook-Profil) es immer vermieden, mein Gesicht irgendwo im Internet zu verbreiten. Ich bin nicht wichtig, habe ich gelernt. Bedeutungslos, unerwünscht und ohne Relevanz.

Damit ist jetzt Schluss. Jetzt bekommen andere innere Anteile ihre Chance.

Ich will das. Ich brauch‘ das. Es müssen Punkte hinter so viele Geschichten gemacht werden. Auf dem Bildschirm und im realen Leben.

Es gibt für mich keinen leichten, versteckten Weg – das hab‘ ich schon gelernt.

Ich habe einige doofe Krankheiten, die mich mittlerweile zum Behinderten gemacht haben, aber es gibt mehr als die Angst, die Panik, die Verzweiflung und die Schmerzen. Das will ich sagen und zeigen. Ich bin ein Mensch wie alle anderen. Es gibt keinen objektiv plausiblen Grund, warum ich mich nicht zeigen sollte.

Ich bin es auch einfach leid, mich zu verstecken, ich bin es leid, nach innen zu leiden.

Wenn ich irgendwann wieder in Balance kommen will, muss ich jetzt erst mal ein Stück „nach außen leiden“, ob mir das gefällt oder nicht – ob das anderen gefällt oder nicht.

Über mich (mit einem Riesen-Foto dazu) schreibe ich schließlich:

BÄM! [wegen des Fotos :-)]

So klein, unbedeutsam und schwach wie ich mich meistens fühle, so großkopfert, wichtig und hilfreich muten manche meiner Ideen an. Das hab‘ ich eingesehen, integriert und jetzt blogge ich.

Ich befolge damit sogar einen ärztlichen Rat. OK, er hat von Buch gesprochen, aber Blog is‘ ok, oder Doktor F.? 😉

Ich weiß, dass das alles andere als schön für mich wird. Ich werde mich über mein Arbeitstempo, meine Orthografie, meinen Output und die schreckliche Angst vor Konflikt und Kontrollverlust ärgern. Geht schon los … aber das ist ok.

Trotz allem habe ich das Gefühl (immerhin hab‘ ich mittlerweile sowas), dass dies der einzige Weg für mich ist, den ich noch eigenständig gehen kann. Den ich gehen WILL! Obwohl etwas in mir mich permanent anschreit: „Bist du noch zu retten? Was geht das die Leute an? Was glaubst du, wer du bist? Die werden wohl alle grad auf dich gewartet haben. Deinen Kram interessiert doch niemanden. Guck, mal, jetzt macht’se auf Blogger … usw. usf.“

Nein, auf mich wartet keiner und interessieren tut sich auch keiner. Jedenfalls keiner, von denen ich das erwartet hätte. Wie weit mein Schicksal anderen am Arsch vorbei geht, weiß ich jetzt. Und das ist gut so. Ich lerne.

Was ich bereits gelernt habe, ist, dass ich mich nicht darüber beschweren darf, dass mich niemand sieht, wenn ich mich nicht zeige. Also bitte sehr. Hier bin ich: myyzilla – die winzigkleine Königin der riesengroßen Monster.

„myy“: gesprochen mü= (µ) = winzig klein + „zilla“ von Godzilla = König(in) der MonsterMein Alter-Ego mit dem schönen Namen erblickte fast unbemerkt zwischen Befundkopien für’s Versorgungsamt und diversen Krankenkassen-Formularen irgendwann im Frühjahr des Jahres 2016 das Licht der Welt, als ich grade knapp eine ambulante ganztägige Reha überlebt hatte. „Überlebt“ ist natürlich maßlos übertrieben. Meine Krankheiten sind alle nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Sie fühlen sich nur so an.

Zu diesem Zeitpunkt entwickelte ich also eine Ahnung davon, dass das größtenteils unfreiwillig angesammelte Wissen über Krankheiten, Sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Schmankerln und unser Gesundheitssystem irgendwann mal raus will. Raus muss.

Jetzt ist es soweit.

Engage!

(bitte jetzt die typische Gestik und entschlossenen Gesichtsausdruck von Captain Jean-Luc Picard vom Raumschiff Enterprise in StarTrek vorstellen. Für alle „nicht-Trekkies“ gibt es hier ein Video… )

myyzilla

 

Vorheriger Beitrag

044 // Der Mann, der mich Affenmädchen nennt

Nächster Beitrag

046 // Bootcamp „Konfliktangst-Bewältigung“

  1. Ach ja….vergessen…..Engage!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Guten Morgen Myyzilla,
    Ha, das habe ich noch gar nicht gecheckt – µ schon – aber nicht das zilla mit der Verbindung zu God. Das ist echt supi.
    Also ich gratuliere Dir von Rentnerin zu Rentnerin!!! Jetzt fängt Dein selbstbestimmtes Leben an (mit ein paar gesundheitlichen Abstrichen ja, aber sonst bist Du frei). Ich habe ein Jahr gebraucht bis das in mein Hirn gedrungen ist. Jetzt fühle ich mich sehr erleichtert und ich schreibe – wie Du ja schon weißt – all jene „verborgenen“ Seiten im Blog. Und Du hast recht, von denen, wo man Hilfe erwartet hätte – kam und kommt sie nicht. Aber ich bin sicher mit dem Ausdrücken in Deinem Blog, wird es Dir mehr und mehr besser gehen. Verborgen haben wir die Innens lang genug (müssen). Auch im Blog sogar in der Anonymität passiert es ab und zu, dass ein Anonymus uns was verspricht und dann nicht hält und das tut auch weh (und ich verstehe einfach nicht, warum Menschen so wenig reflektiert sind und nicht wissen, dass das was man anderen verspricht auch in der Anonymität eigentlich der Ehrlichkeit – vor sich selbst geschuldet ist. Aber ich sage mir, das sind dann eben Menschen, die sich auch selbst belügen. Das ist traurig eigentlich) – im Hinblick auf diese Menschen, die es noch nicht geschafft haben, sich selbst kritisch und ehrlich zu betrachten. Sie sind wie sie sind und ich wollte nicht tauschen mit ihnen. Ehrlichkeit ist für mich eines der höchsten Güter und ich weiß, dass unsereins nur schafft sich selbst voll zu begreifen, wenn wir es wagen uns mit unseren „Fehlern“ selbst ins Gesicht zu gucken.
    So ein Blog, wie Du ihn willst und ich auch schreibe, dient unserer eigenen Klarheit. Und seit ich ihn schreibe, zählt nicht mehr so sehr, ist nicht mehr so wichtig, wie andere mich einschätzen, bezeichnen oder einordnen – ja nicht mal ob sie verstehen. Nun zählt nur noch ob ich mutig mich selbst anschaue und zu mir selbst stehe – egal was andere denken.
    Das ist Freiheit und Befreiung. Gratuliere!

Kommentar verfassen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: